Marktoberdorf – Bürgermeisterinnen, Bürgermeister und Ratsmitglieder aus dem ganzen Ostallgäu haben sich in der Bayerischen Musikakademie Marktoberdorf zum zweiten Ostallgäuer Kommunaldialog getroffen. Das Landratsamt Ostallgäu teilte mit, dass sich 135 Personen angemeldet hatten. Veranstalter waren der Landkreis und der Kreisverband Ostallgäu des Bayerischen Gemeindetags. Helmut Bucher, der Vorsitzende des Kreisverbands, führte durch den Abend.
Im Mittelpunkt standen praxisnahe Informationen für die Arbeit in den Kommunen und der persönliche Austausch. Weil kürzlich Kommunalwahlen stattgefunden hatten, konnten auch frisch gewählte Ratsmitglieder Kontakte knüpfen und sich mit Erfahrenen austauschen. Landrat Bernd Stapfner hob die Zusammenarbeit über Gemeindegrenzen hinweg hervor. Er sagte: „Heute wollen wir miteinander reden, uns austauschen und voneinander lernen“.
Dass es eine zweite Auflage gab, geht auf die Teilnehmenden der ersten Veranstaltung zurück: In einer Umfrage danach wollten ausnahmslos alle Befragten eine Neuauflage. Bucher nannte als Ziel, den aktiven Austausch untereinander zu fördern und den Entscheidungsträgern relevante Informationen für ihre tägliche Arbeit zu geben.
Die Vorträge
- Matthias Simon vom Bayerischen Gemeindetag informierte über Beratung und Fortbildung beim Gemeindetag, beim Deutschen Städte- und Gemeindebund und beim Bayerischen Selbstverwaltungskolleg. Im Fokus standen Kommunalrecht, Finanzen und Digitalisierung.
- Per Video live mit dabei war Theresa Schäfer von der Schule der Dorf- und Landentwicklung Thierhaupten. Wie Kommunen die Entwicklung ihrer Orte gemeinsam voranbringen können, legte sie dar. Die Einrichtung unterstützt das mit Seminaren, Workshops und moderierten Gemeinderatsklausuren.
- Karin Kamleiter präsentierte die Bildungsangebote der Hanns-Seidel-Stiftung. Das Spektrum reicht vom Kommunal- und Baurecht über die Haushaltsführung bis hin zu Rhetorik und Kommunikation. Vor allem neu gewählte Ratsmitglieder sollen damit Orientierung finden.
- Ramona Riederer von der Allgäu GmbH sprach über konkurrierende Flächenansprüche. Als Lösungsansätze nannte sie die Mehrfachnutzung von Flächen und die Zusammenarbeit der Kommunen. Dazu präsentierte sie Beispiele aus der Region und die geplante Workshopreihe „Allgäuer Flächenlabor“.
Michael Pfaffenzeller, Leiter der Bayerischen Musikakademie Marktoberdorf, begrüßte die Gäste. Der Bürgermeisterchor Ostallgäu umrahmte den Abend musikalisch. Nach den Vorträgen blieb bei Infoständen und einem gemeinsamen Buffet Zeit für Gespräche mit den Referierenden. Stapfner appellierte, die anstehenden Aufgaben zusammen zu bewältigen und dabei stets an die nachfolgenden Generationen zu denken.
Hintergrund
Die Schule der Dorf- und Landentwicklung Thierhaupten ist ein eingetragener Verein. Laut Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten bietet sie Seminare in Oberbayern und Schwaben an. Gegründet wurde sie am 4. November 1991.
Die Schule führt nach eigener Darstellung in moderierten Klausuren und Workshops Kommunalpolitiker, Bürger und Fachleute aus einer Gemeinde oder Region zusammen. Dort erarbeiten sie die künftige Ausrichtung oder ein bestimmtes Vorhaben im Ort. Wenden können sich laut Geschäftsführerin Theresa Schäfer alle schwäbischen und oberbayerischen Gemeinden.
Die Inhalte richten sich nach den Anliegen der Kommunen. Im Interview griff Schäfer unter anderem die kommunale Energieplanung auf, außerdem die Frage, wie sich Wohnraum nach tatsächlichem Bedarf schaffen lässt und dabei sparsam mit den vorhandenen Flächen umgegangen werden kann.
Eigene Einschätzung
Dass alle Befragten der ersten Runde eine Wiederholung wollten, spricht für den Bedarf an solchen Abenden. Spannend ist der Praxisbezug, etwa beim Umgang mit konkurrierenden Flächenansprüchen. Die Mitteilung verrät allerdings nicht, welche Ergebnisse oder Vereinbarungen aus den Gesprächen hervorgingen. Das wäre für Bürger interessant, die wissen wollen, was in ihren Gemeinden daraus wird.


