Burghausen: Sonderpreis Wissenschaft für TH-Professor Jan-Diederich Lüken

Burghausen – Der Professor Jan-Diederich Lüken vom Campus Burghausen der Technischen Hochschule Rosenheim hat den Sonderpreis „Wissenschaft“ der sustainability people Watchlist 2026 erhalten. Das teilte die Stadt Burghausen mit. Lüken lehrt Business Economics. Geehrt wird er für seinen Einsatz in der Lehre und dafür, dass er angehenden Fach- und Führungskräften das Thema Kreislaufwirtschaft näherbringt.

Zu seinen Fächern am Campus Burghausen zählen Circular Economy, Entrepreneurship, Volkswirtschaftslehre und quantitative Methoden. Die Kreislaufwirtschaft hat er fest im Lehrangebot verankert. Im Jahr 2020 baute er den berufsbegleitenden Masterstudiengang Circular Economy an der TH Rosenheim auf. Außerdem entstanden Zertifikatsprogramme, die Kreislaufwirtschaft, Ressourcenmanagement und Nachhaltigkeit in Industrie und Betrieben behandeln.

Die Jury hebt vor allem Lükens Einsatz für den Nachwuchs der Branche hervor. Bei der Verleihung hieß es sinngemäß, er gebe nicht nur Wissen weiter, sondern wecke Begeisterung. Lüken selbst sieht Kreislaufwirtschaft nicht allein als ökologische Frage. Es gehe auch darum, wie Unternehmen und Volkswirtschaften künftig wettbewerbsfähig und widerstandsfähig bleiben. Studierende sollen daher nicht nur die Konzepte kennen, sondern auch beurteilen können, ob und wie sich diese in wirtschaftliche Potenziale und Geschäftsmodelle übertragen lassen.

Dominik Pentlehner, Dekan des Campus Burghausen, würdigte den Kollegen. Lüken habe die Kreislaufwirtschaft am Standort sichtbar gemacht und im Studienangebot etabliert. Besonders wertvoll sei die Verbindung von wirtschaftswissenschaftlichem Denken, aktuellen Forschungsfragen und der Anwendung in Betrieben. Pentlehner sagte: „Davon profitieren unsere Studierenden ebenso wie die Unternehmen in der Region.“

Forschung zur zirkulären Wirtschaft

Wissenschaftlich beschäftigt sich Lüken ebenfalls mit dem Wandel zur Kreislaufwirtschaft. In der Circular Foresight Initiative arbeitet er an Innovationsnetzwerken für die Kreislaufwirtschaft in Bayern und Österreich. Ein weiteres Vorhaben dreht sich um die Modellierung von Wertschöpfungsketten. Es gehört zum DFG-geförderten Projekt „Reale Kreislaufwirtschaft von naturfaserbasierten Werkstoffsystemen (NWS)“.

Seit Beginn seiner wissenschaftlichen Arbeit beschäftigt ihn die Frage, wie sich Wohlstand, Wachstum und ökologische Nachhaltigkeit vereinbaren lassen. Aus seiner Sicht hat sich die Debatte inzwischen gewandelt. Nachhaltigkeit müsse sich stärker daran messen lassen, was sie für Wettbewerbsfähigkeit und Resilienz von Unternehmen bringt. Lüken sagt: „Die Nachhaltigkeit muss über das Reporting hinaus rein in die strategische Unternehmensentwicklung“.

Die Auszeichnung versteht er auch als Anerkennung für seine Arbeit mit Studierenden. Sie gingen in eine Arbeitswelt mit großen Umbrüchen, müssten Unsicherheit aushalten und sich immer wieder neues Wissen aneignen. Diese Fähigkeit will er ihnen mitgeben und zugleich die Chancen aufzeigen, die in der Verbindung von Wirtschaft, Innovation und Nachhaltigkeit liegen.

Zur Watchlist

Die sustainability people Watchlist wird von der Nachhaltigkeitscommunity seit 2024 vergeben. Sie würdigt Persönlichkeiten, die in Unternehmen und Organisationen den Wandel zu mehr Nachhaltigkeit voranbringen. 2026 kamen zwölf Personen auf die Liste, dazu die Sonderpreise „Netzwerk“ und „Wissenschaft“. Die Auswahl läuft zweistufig: Frühere Preisträger treffen eine Vorauswahl, danach entscheidet eine unabhängige Jury über die endgültige Liste.

Bewerbung ab 1. November

Wer die ökonomische und praktische Seite der Kreislaufwirtschaft vertiefen will, kann sich ab dem 1. November bewerben. Das gilt für den berufsbegleitenden Masterstudiengang Circular Economy der TH Rosenheim und für das Zertifikatsprogramm „Ressourcenmanagement und Kreislaufwirtschaft“.

Zur Hochschule: Die TH Rosenheim geht auf das Holztechnikum zurück, das 1925 gegründet wurde, und blickte 2025 auf 100 Jahre Geschichte zurück. Heute bietet sie an den Standorten Rosenheim, Burghausen, Mühldorf am Inn und Traunstein Studiengänge aus den Feldern Technik, Wirtschaft, Gestaltung, Gesundheit und Soziales an. Eingeschrieben sind mehr als 7.600 Studierende. Im Wintersemester 2026/2027 lehren und forschen etwa 200 Professorinnen und Professoren an der Hochschule.

Eigene Einschätzung

Lükens Ansatz überzeugt: Er fragt, ob sich Kreislaufwirtschaft für Unternehmen rechnet, statt sie nur als Umweltthema zu behandeln. Das dürfte Betriebe in der Region ansprechen. Offen bleibt, wie viele Studierende und Firmen den berufsbegleitenden Weg bisher nutzen. Dazu sagt die Mitteilung nichts. Interessierte sollten den Bewerbungsstart im Blick behalten.

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