München – Der Pflegestützpunkt der Region Landshut gehört zu den Ausgezeichneten beim Bayerischen Demenzpreis 2026. Er erhielt eine von drei Anerkennungen für sein Projekt „Ein Dings bitte: Demenzsensibler Umgang mit Kundinnen und Kunden“. Das teilte das Bayerische Staatsministerium für Gesundheit, Pflege und Prävention mit. Gesundheits- und Pflegeministerin Judith Gerlach verlieh den Preis am Dienstag, 13. Oktober in München.
Die Hauptpreise gingen an drei andere Träger:
- Erster Preis: der Verein wohlBEDACHT e.V. für „Nachtpflege für Menschen mit Demenz“
- Zweiter Preis: die oberfränkische Gemeinde Dörfles-Esbach für „Lebensmosaik – Miteinander im Moment“
- Dritter Preis: das Hanns-Seidel-Gymnasium Hösbach für das „P-Seminar: Spiele für Menschen mit Demenz“
Das Nachtpflegeangebot von wohlBEDACHT richtet sich an Menschen mit Demenz und entlastet pflegende Angehörige. Von 17:00 bis 9:00 Uhr werden bis zu zwölf Übernachtungsgäste über Nacht von Pflege- und Betreuungskräften versorgt. Es gibt ein Beschäftigungsangebot am Abend und am Morgen, und ein Fahrdienst holt die Gäste ab und bringt sie später heim. Gerlach sagte, das Angebot sei „eine große Unterstützung für die häusliche Pflege“.
In Dörfles-Esbach hat die Kommune nach Angaben der Ministerin gemeinsam mit mehreren Ortsvereinen, der Kirchengemeinde und zahlreichen Ehrenamtlichen Teilhabemöglichkeiten geschaffen, darunter ein Senioren-Tanzcafé, eine Rollator-Laufgruppe und ein Handarbeitskreis. Am Hanns-Seidel-Gymnasium Hösbach setzen sich Schülerinnen und Schüler mit dem Thema Demenz auseinander, kommen mit Betroffenen in den Austausch und konzipieren eigenständig Spiele, die in Tagespflegeeinrichtungen erprobt werden.
Die drei Geldpreise sind mit 5.000 Euro (1. Preis), 3.000 Euro (2. Preis) sowie 1.000 Euro (3. Preis) dotiert. Neben dem Landshuter Pflegestützpunkt erhielten zwei weitere Einrichtungen Anerkennungen: das Pflegezentrum Sebastianspital am Wöhrder See/NürnbergStift, das eine Hausgemeinschaft für Menschen mit mittelschwerer bis schwerer Demenz betreibt, sowie das Klinikum Neumarkt mit dem Projekt „Unterstützung auf 4 Pfoten – Therapiehunde auf der Akutgeriatrie“.
Gerlach verwies auf die Zahlen: In Bayern leben mehr als 270.000 Menschen mit Demenz. Bis 2030 rechnen Experten mit voraussichtlich rund 300.000 Erkrankten, bis 2040 mit 380.000. Der Preis wurde 2015 ins Leben gerufen und würdigt alle zwei Jahre innovative Projekte. Weitere Informationen stehen auf der Website des Gesundheitsministeriums.
Hintergrund
Der Bayerische Demenzpreis ist laut Bayerischem Landesamt für Pflege eine Maßnahme der Bayerischen Demenzstrategie. Die Geschäftsstelle ist am Landesamt für Pflege angesiedelt. Die Projekte müssen zum Zeitpunkt der Bewerbung seit mindestens sechs Monaten erfolgreich umgesetzt werden.
Über die Preise und Anerkennungen entscheidet nach Angaben des Landesamts eine unabhängige Jury. Vom Gesundheitsministerium geförderte Projekte können nicht ausgezeichnet werden. Zum Wettbewerb aufgefordert waren unter anderem Vereine, Kommunen und Schulen.
Die Demenzstrategie wurde laut Gesundheitsministerium 2013 beschlossen. Sie will die Gesellschaft für das Thema sensibilisieren und so der Stigmatisierung der Krankheit entgegenwirken. Der Bayerische Demenzpakt wurde am 21.09.2020, dem Welt-Alzheimertag, gegründet.
Das Ministerium schreibt außerdem, in Bayern würden über 80 Prozent der Pflegebedürftigen zu Hause, meist von Angehörigen, versorgt. Als Entlastung nennt es unter anderem Tages- und Nachtpflege.
Eigene Einschätzung
Für Landshut ist die Anerkennung ein Signal, dass Demenz auch im Alltag von Geschäften und Dienstleistern ankommt. Die Mitteilung sagt jedoch nicht, wie der Pflegestützpunkt konkret vorgeht. Spannend wäre die Frage, ob sich das Projekt auf andere Betriebe der Region übertragen lässt. Das Nachtangebot des Siegers zeigt, wie groß der Bedarf an Entlastung für Angehörige sein dürfte.

