Erinnerung aufgefrischt: Jugendpflege reinigt Stolpersteine der Familie Galitzenstein

Burghausen – Putzaktion im Botanischen Garten vor dem Jahrestag der Novemberprogrome 1938 – Zeichen gegen das Vergessen

Pünktlich noch vor dem Jahrestag der Reichspogromnacht am 9. November haben Johanna Hacker, Semesterpraktikantin, und Lukas Schreiber, FoS-Praktikant, von der Jugendpflege die fünf Stolpersteine im Botanischen Garten gereinigt. Die kleinen Messingplatten erinnern an die Familie Galitzenstein, die hier bis 1939 lebte, bevor sie von den Nationalsozialisten vertrieben wurde.

Dr. Eugen Galitzenstein wurde 1882 in Wien als Sohn jüdischer Eltern geboren und studierte dort Chemie. Mit seiner Heirat mit Auguste Grün trat er zum evangelischen Glauben über. Ab 1916 half er beim Aufbau des Wacker Werks in Burghausen und war dort bis 1938 Chefchemiker. Ab 1924 wohnte die Familie mit den Kindern Charlotte, Irene und Walter in der werkseigenen Villa auf dem Gelände des heutigen Botanischen Gartens.

Nach 1933 war die Familie antisemitischen Angriffen ausgesetzt. Die Kinder flohen 1933 und 1936 nach Frankreich, England und in die USA. In der Pogromnacht vom 9. auf den 10. November 1938 kam es vor dem Haus zu Tumulten. Am nächsten Tag wurde Eugen Galitzenstein verhaftet und in das Konzentrationslager Dachau gebracht. Erst nach sechs Wochen kam er durch den Einsatz von Wacker Geschäftsführer Johannes Hess wieder frei. Im Juni 1939 mussten er und seine Frau unter entwürdigenden Bedingungen und unter Verlust ihres Eigentums nach England emigrieren. Auguste Galitzenstein starb dort 1941, ihr Mann 1947.

Fünf Stolpersteine halten die Erinnerung wach

Die ehemalige Villa der Wackerwerke, in der die Familie wohnte, wurde später abgerissen. Seit 2012 erinnern fünf Stolpersteine des Künstlers Gunter Demnig am Standort des früheren Wohnhauses an die Familie. Eine Gedenktafel am Eingang des Botanischen Gartens informiert zusätzlich über ihre Geschichte.

Durch die Reinigung der Stolpersteine tragen Johanna Hacker und Lukas Schreiber dazu bei, dass die Namen der Familie Galitzenstein wieder deutlich lesbar sind. Gerade im Vorfeld des 9. November soll die Aktion daran erinnern, dass das Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus auch im Kleinen beginnt, um ihre Geschichten nicht in Vergessenheit geraten zu lassen.

Die Stolpersteine sind Teil eines europaweiten Erinnerungsprojekts, das an Menschen erinnert, die während der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft verfolgt, vertrieben und ermordet wurden. Mit ihren Namen und Lebensdaten machen die kleinen Messingplatten die Schicksale der Betroffenen im öffentlichen Raum sichtbar.

Stadt Burghausen: Jugendpflege reinigt Stolpersteine der Familie Galitzenstein - Erinnerung zum Jahrestag Novemberprogrome 1938
Foto: Erinnerung muss regelmäßig aufgefrischt werden, damit sie weiterbesteht: Deswegen reinigten Johanna Hacker, Semesterprak

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