Deggendorf – Die Technische Hochschule Deggendorf (THD) hat am 29. Oktober die Trinationale Konferenz Gesundheitswesen 2026 ausgerichtet. Rund 100 Fachleute aus Praxis, Wissenschaft und Politik diskutierten dort, wie sich die medizinische Versorgung auf dem Land sichern lässt, wenn Fachpersonal fehlt und die Wege weit sind. Das teilte die Technische Hochschule Deggendorf mit. Die Beiträge liefen auf Deutsch, Tschechisch und Englisch. Die Veranstaltung fand unter dem Motto „Gesundheit nachhaltig gestalten – Perspektiven aus der Europaregion Donau-Moldau“ statt.
Der Präsident der THD, Prof. Wademar Berg sagte zum Programm: „Wir können nur voneinander lernen, gerade im kulturell verbundenen Dreiländereck, zum Wohle unser aller Gesundheit“. In der Keynote erklärte Prof. Dr. Sabine Dittrich, Professorin für Global Public Health an der Fakultät European Campus Rottal-Inn, werde Gesundheit nicht allein von regionalen, sondern ebenso von globalen Einflüssen bestimmt. Klimawandel und die Verbreitung von Viren stellten das Gesundheitssystem immer wieder vor neue Herausforderungen. Sie sieht in der ländlichen Versorgung auch künftig wegen des demografischen Wandels und der damit einhergehenden primären Todesursachen deutlichen Handlungsbedarf.
Aus der Podiumsdiskussion hielt die Hochschule drei Ansätze fest. Sie sollen Betroffenen und ihren Familien in der Grenzregion ganz konkret nützen.
Wohnortnah heißt vernetzt
Dr. Thomas Peinbauer von der Johannes Kepler Universität Linz stellte das österreichische Konzept der Primärversorgungszentren vor, am Beispiel des „Gesundheitszentrum Haslach – Hausarztmedizin Plus“. Dort arbeiten verschiedene Berufsgruppen zusammen, die Hierarchien sind flach. Im Bayerischen Wald zeigt das Hausärztenetz „Gut versorgt im Arberland“ (GUAD), wie das aussehen kann. Wer älter, dauerhaft krank oder kaum mobil ist, hat durch so ein Netz laut Hochschule kurze Wege, aufeinander abgestimmte Behandlung und hat weniger Doppeluntersuchungen.
Digital ergänzen, nicht ersetzen
Digitale Angebote ersetzen den persönlichen Kontakt nicht, können aber die Wege zur Therapie verkürzen. Als Beispiel nannte die THD das Projekt STEPP, die Abkürzung steht für strukturierte teletherapeutische Ergo- und Physiotherapie bei Parkinson. Die Deutsche Gesellschaft für Parkinson und Bewegungsstörungen fördert es. Betroffene bekommen zusätzlich zur regulären Behandlung zehn kurze Therapieeinheiten per Video. Dr. „Mit STEPP holen wir leitlinienbasierte Ergo- und Physiotherapie ins Wohnzimmer, ohne die Behandlung vor Ort zu ersetzen.“ So äußerte sich Norbert Lichtenauer, der das Projekt STEPP am THD-Campus Bad Kötzting leitet.
Auch in der Pflege setzt die Region auf Digitalisierung: Im Interreg-Projekt DigiCare4CE entwickelten Beteiligte aus insgesamt acht Ländern eine Strategie, wie digitale Lösungen in Pflegeeinrichtungen eingeführt werden können. Auch Personen, die kaum Erfahrung mit digitalen Anwendungen haben, werden von ihr bedacht.
Gemeinsam ausbilden, gemeinsam versorgen
Der Fachkräftemangel betrifft Bayern, die Tschechische Republik und Österreich gleichermaßen. Das Programm CrossHealth entwickelt deshalb länderübergreifende Fortbildungen für Gesundheitsfachkräfte im bayerisch-tschechischen Grenzgebiet. Beim „Deggendorfer Modell“ der THD werden internationale Studierende zu Pflegefachpersonen ausgebildet, und zwar nach deutschem Berufsrecht.
Beim grenzüberschreitenden Rettungsdienst zwischen Niederösterreich und Tschechien fährt immer das nächste Rettungsteam los, auch wenn der Einsatzort im Nachbarland liegt. Monika Kyselová von der Initiative Healthacross der Niederösterreichischen Landesgesundheitsagentur betonte: „Die neue Versorgung hat sich mittlerweile etabliert und stützt die Notfallmedizin da, wo sie besonders sensibel ist, nämlich im ländlichen Raum“.
Posterpreis und Ausblick auf 2027
Ausgestellt waren vierzehn Forschungsposter, zwei davon wurden ausgezeichnet. Franziska Killinger geht mit „ScanGlobal“ der Frage nach, ob frei verfügbare KI-Software für MRT-Aufnahmen Diagnosen tatsächlich besser macht und ob Kliniken darauf vorbereitet sind. Kathrin Auer fragte Einrichtungen in Deutschland, Österreich und der Schweiz, wie sich ungenutztes medizinisches Material weitergeben lässt, statt es wegzuwerfen. So sollen Ressourcen und Budgets geschont werden.
Wegen des positiven Resümees soll es eine weitere Konferenz geben, im Herbst 2027 unter dem Motto „Gesundheit interprofessionell neu denken“. Prof. Dr. Patrick Ristau, Professor für Angewandte Gesundheitswissenschaften an der THD, sagte, sein Team und er freuten sich schon jetzt darauf. Die Zusammenfassungen der Beiträge stehen im Abstract-Band, der in der HeilberufeScience erschienen ist.
Auf einen Blick
- Veranstaltung: Trinationale Konferenz Gesundheitswesen 2026
- Datum: 29. Oktober
- Ort: Technische Hochschule Deggendorf (THD)
- Mit dabei waren rund 100 Fachleute aus Praxis, Wissenschaft und Politik.
- Nächste Konferenz: Herbst 2027, Motto „Gesundheit interprofessionell neu denken“
- Nachlesen: Abstract-Band in der HeilberufeScience
Eigene Einschätzung
Die Ansätze sind einleuchtend, bleiben in der Mitteilung aber Beispielsammlung. Offen ist, wie viel davon schon im Alltag der Grenzregion ankommt und was Patienten im Bayerischen Wald konkret spüren. Der Rettungsdienst über die Grenze hinweg zeigt am deutlichsten, was Zusammenarbeit leisten kann.


