Günzburg – Zum dritten Mal hat der Landkreis Günzburg seinen Kulturpreis verliehen. Der Preis wird an Menschen und Projekte vergeben, die das kulturelle Leben in der Region auf besondere Weise bereichern. In diesem Jahr wurden das Wintertheater Bubesheim e.V. und das Projekt „Geschichtsorte Günzburg – Die NS-Vergangenheit Günzburgs digital erlebbar“ des Maria-Ward-Gymnasiums Günzburg ausgezeichnet.
Landrat Hans Reichhart sagte bei der Preisverleihung am vergangenen Montag in der Kreisheimatstube Stoffenried über die Preisträger: „Sie geben Geschichte und Geschichten weiter.“ Und er betonte: „Im Landkreis Günzburg gibt es ein breites kulturelles Angebot. Hinter all diesen Projekten stecken tolle Menschen, die viel Zeit und Herzblut investieren.“
Dies sind die diesjährigen Preisträger:
Wintertheater Bubesheim e.V.: Für sein langjähriges Engagement gerade in der Jugendarbeit wurde das Wintertheater Bubesheim ausgezeichnet. „Seit seiner Gründung im Jahr 2006 hat sich der Verein mit seinen knapp 100 Mitgliedern zu einer festen kulturellen Institution entwickelt und begeistert mit seinen Aufführungen generationenübergreifend ein breites Publikum“, sagt Landrat Hans Reichhart. Viele Kinder haben hier ihre ersten Bühnenerfahrungen gesammelt. Besonders hob er das Engagement von Sonja Radinger hervor, die durch die Organisation und Durchführung mehrerer Theaterworkshops die Nachwuchs- und Jugendarbeit des Wintertheaters maßgeblich geprägt hat. „Dadurch gelingt es dem Verein auch junge Menschen frühzeitig für Theater, Kunst und kulturelles Engagement zu begeistern“, macht Landrat Hans Reichart deutlich.
Unter der langjährigen Leitung von Heidi Ortlieb und Kilian Trapp entstand in den vergangenen zwei Jahrzehnten ein vielfältiges Repertoire aus klassischen Märchen, musikalischen Familienproduktionen sowie Eigeninszenierungen wie die selbst geschriebene Stücke „Der Mondscheinkristall“ und „Herzlich willkommen bei den Hempels“. Hinter all diesen Stücken steckt jedoch viel Arbeit: Die Mitwirkenden proben monatelang, bauen Kulissen, nähen Kostüme und kümmern sich um Technik und Organisation – alles mit großem ehrenamtlichem Einsatz.
Ein besonderes Merkmal des Wintertheaters ist das Konzept des Familientheaters, bei dem Kinder, Jugendliche, Erwachsene und Senioren gemeinsam auf und hinter der Bühne wirken. Ein bemerkenswertes Projekt war die Inszenierung von „Der Grauling – oder ein schrecklich grauer Tag“ im Jahr 2019, bei der das Wintertheater gemeinsam mit der Lebenshilfe Donau-Iller Menschen mit und ohne Behinderung gemeinsam auf die Bühne brachte. „Das Wintertheater Bubesheim bringt Theater in eine kleine Gemeinde und erreicht damit Menschen, die sonst oft weite Wege zu kulturellen Veranstaltungen hätten“, betont Landrat Hans Reichhart.
Projekt „Geschichtsorte Günzburg – Die NS-Vergangenheit Günzburgs digital erlebbar“: Als zweiter Preisträger wurde eine von Schülerinnen und Schülern entwickelte App über die NS-Vergangenheit Günzburgs ausgezeichnet. Die Schülerinnen und Schüler des Maria-Ward-Gymnasiums haben für „Geschichtsorte Günzburg“ über mehrere Jahre hinweg erforscht, was während der Zeit des Nationalsozialismus in ihrer Heimatstadt geschah. In Zusammenarbeit mit dem Heimatmuseum Günzburg entstand die digitale Anwendung „Geschichtsorte Günzburg“, die zu knapp 40 historischen Orten führt und die Geschichte durch Texte und Hörspiele erlebbar macht. Die Jugendlichen recherchierten dafür selbst im Stadtarchiv, werteten Quellen aus und entwickelten auf dieser Grundlage eigene Texte. „So wird lokale Geschichte nicht nur im Klassenzimmer behandelt, sondern unmittelbar an den Orten ihres Geschehens erfahrbar“, sagt Landrat Hans Reichhart. „Das Projekt verbindet in herausragender Weise historische Forschung, Heimatpflege, Erinnerungskultur und moderne digitale Kulturvermittlung.“
Zugleich leistet es laut Landrat Hans Reichhart einen wichtigen Beitrag zur politischen und demokratischen Bildung, indem es jungen Menschen die Auseinandersetzung mit Ausgrenzung, Verfolgung und den Mechanismen der nationalsozialistischen Diktatur ermöglicht. Mit der App „Geschichtsorte Günzburg“ haben die Schülerinnen und Schüler ein nachhaltiges und öffentlich zugängliches Angebot geschaffen, das die Geschichte des Landkreises für heutige und kommende Generationen bewahrt und vermittelt.
„Die Schülerinnen und Schüler haben sich intensiv mit der NS-Vergangenheit ihrer Heimatstadt auseinandergesetzt. Sie zeigen, dass Geschichte auch für junge Menschen spannend sein kann und dass die Auseinandersetzung mit der NS-Vergangenheit wichtig ist, damit sich Ausgrenzung und Verfolgung nicht wiederholen“, sagt Landrat Hans Reichhart.
Wer mehr über das Projekt erfahren möchte, erhält weitere Informationen zur App auf der Internetseite https://fabulapp-museen-guenzburg.webapp.droidhosting.de/.
Kreisheimatpfleger Simon Paintner-Frei erinnerte daran, dass Kultur nicht allein auf den großen Bühnen oder in den bedeutenden Museen entsteht. „Sie entsteht auch in unseren Vereinen, in unseren Schulen, in unseren Gemeinden und überall dort, wo Menschen ihre Zeit, ihre Fähigkeiten und ihre Begeisterung für eine gemeinsame Sache einsetzen.“ Die diesjährigen Kulturpreisträger zeigten auf unterschiedliche Weise, wie das gelingen kann. „So unterschiedlich diese beiden Projekte auch sind, verbindet sie doch etwas Entscheidendes: Menschen übernehmen Verantwortung, bringen eigene Ideen ein und gestalten das kulturelle Leben unseres Landkreises aktiv mit.“

