Eichstätt – Wer in Eichstätt etwas im Rathaus erledigen muss, kann sich ab Montag, 2. November, wieder an alle Beschäftigten wenden: Telefon und E-Mail funktionieren dann wieder bei allen Mitarbeiter/-innen. Das teilte die Stadt Eichstätt mit. Der Notbetrieb nach dem kriminellen Cyberangriff ist damit beendet. Den Alltag im Rathaus prägt der Angriff aber weiter.
Zuletzt prüfte die Verwaltung nach und nach jeden Rechner der mehr als hundert Beschäftigten und gab ihn wieder frei. Ab Montag ist auch die zentrale Telefonvermittlung unter (08421) 6001-0 wieder voll im Betrieb. Die eigens eingerichtete Notfall-Hotline wird ab Freitagmittag nicht mehr betrieben. Bestehen bleibt der Info-Punkt im Eingangsbereich, bis auf Weiteres zu den Öffnungszeiten. Dort beantworten Mitarbeiter/-innen Fragen.
Viele Dienstleistungen bleiben unmöglich
Erreichbarkeit heißt nicht, dass die Verwaltung wieder normal arbeitet. Den Beschäftigten fehlen weiter viele Fachanwendungen, also die Programme für ihre tägliche Arbeit. Betroffen sind etwa die Systeme für Personalausweise, Wohnsitzanmeldungen und Parkberechtigungen. Sie wiederherzustellen ist laut Stadt technisch aufwendig und erfordert teils die Zusammenarbeit mit anderen Behörden. Auch der Zugang zum bayernweiten Behördennetz steht noch nicht wieder zur Verfügung.
Die Stadt bittet, sich vor einer Anfrage oder einem Besuch online oder telefonisch zu erkundigen, ob die gewünschte Leistung angeboten wird. Das spart unnötige Wege. Eine laufend aktualisierte FAQ unter https://www.eichstaett.de/cyberangriff/ zeigt die verfügbaren Angebote und die Ansprechpartner/-innen.
Rückstau bei E-Mails
Wegen der abgeschalteten Systeme blieben über Wochen viele E-Mails und Anfragen liegen. Dieser Rückstau wird nach und nach abgearbeitet. Außerdem können viele Anliegen nicht abschließend bearbeitet werden, weil Fachanwendungen und digitale Dateiablagen fehlen. Antworten können deshalb deutlich länger dauern als sonst.
Wer zuletzt eine automatische Unzustellbarkeits-Benachrichtigung erhielt, soll die Nachricht erneut senden. Wer keine solche Fehlermeldung erhielt, muss nicht erneut schreiben, denn die E-Mail sollte grundsätzlich angekommen sein.
Ungeklärt ist bislang, auf welche Daten die Täter/-innen zugreifen konnten und ob sie diese verwenden können. Die Stadt rät deshalb dringend zur Vorsicht bei E-Mails, die angeblich von der Stadt Eichstätt stammen.
Gemeinsam mit externen Fachleuten arbeitet die Stadt daran, die noch fehlenden Systeme sicher wieder aufzubauen. Wann einzelne Fachanwendungen zurückkehren, lässt sich noch nicht zuverlässig abschätzen. Sobald weitere Dienstleistungen möglich sind, will die Stadt von sich aus informieren, auf der Homepage, über die Presse und in sozialen Medien. Für Einschränkungen und Wartezeiten bittet sie um Verständnis und Entschuldigung.
Auf einen Blick
- Ende des Notbetriebs: Montag, 2. November
- Zentrale Telefonvermittlung: (08421) 6001-0
- Notfall-Hotline: ab Freitagmittag nicht mehr in Betrieb
- Zu den Öffnungszeiten steht im Eingangsbereich des Rathauses ein Info-Punkt bereit
- Häufige Fragen und Antworten gibt es unter https://www.eichstaett.de/cyberangriff/
Hintergrund
Die Stadt hat in ihrer FAQ aufgeschrieben, was bei Ausweisen und Wohnsitz gilt. Personalausweise und Reisepässe können Bürger/-innen der Stadt Eichstätt demnach in dringenden Notfällen bei der Verwaltungsgemeinschaft Eichstätt beantragen. Vorab ist eine telefonische Rücksprache mit der Verwaltungsgemeinschaft nötig. Die Beantragung ist während der regulären Öffnungszeiten möglich.
Eine Wohnsitzanmeldung ist laut der Stadt derzeit nicht möglich, wenn man persönlich ins Rathaus kommt. Nach aktuellem Wissensstand funktioniert aber die digitale Anmeldung über https://www.eichstaett.de/elektronische-antraege/. Wer sie wegen des Systemausfalls nicht innerhalb der Zwei-Wochen-Frist erledigen kann, hat laut Stadt keine Konsequenzen zu erwarten.
Zahlungen an die STADTWERKE Eichstätt sind nach Angaben der Stadt nicht betroffen, die Stadtwerke sind nicht vom Cyberangriff betroffen. Die Volkshochschule und die Stadtbücherei sind regulär geöffnet. Eine Kursanmeldung bei der vhs ist nur bestätigt, wenn man eine E-Mail-Bestätigung erhalten hat.
Eigene Einschätzung
Dass die Stadt Ausweise über die Verwaltungsgemeinschaft und die Wohnsitzanmeldung online anbietet, hilft Betroffenen spürbar. Wer es eilig hat, sollte vorher anrufen, statt einfach vorbeizufahren. Offen bleibt, wann die Fachanwendungen zurückkehren. Dazu kann die Stadt bislang keine Prognose geben.

