Eichstätt: Stadtverwaltung nach Cyberangriff im Notbetrieb gestartet

Eichstätt – Die Stadtverwaltung Eichstätt arbeitet nach dem Cyberangriff wieder eingeschränkt. Am Mittwoch startete sie einen Notbetrieb, in dem dringende Angelegenheiten erledigt werden, etwa die Beurkundung von Sterbefällen. Auch die Anlaufstellen für Bürgerinnen und Bürger bleiben geöffnet, teilte die Stadt mit.

Schon am Dienstag war klar: Beim Angriff am Wochenende haben die Täter den Großteil der Daten kopiert. Das Landeskriminalamt ermittelt noch, welche Daten betroffen sind und von den Tätern ausgewertet werden können. Ob und wie sie missbraucht werden, ist deshalb offen. Informiert sind auch die Datenschutzstellen, etwa auf Landesebene. Eine Erpressung, also konkrete Forderungen der Täter, gibt es bisher nicht. Mit den Strafverfolgungsbehörden arbeitet die Verwaltung eng zusammen.

Server bleiben abgeschaltet

Alle Server im Rathaus blieben am Mittwoch abgeschaltet, auch wegen der Spurensicherung. Die Kernverwaltung ist weiterhin nicht per E-Mail zu erreichen. Telefonisch geht es nur stark eingeschränkt, über die Notfall-Hotline (08421) 93770. Dennoch liefen am Mittwoch mit kreativen Lösungen und viel Amtshilfe erste Dienstleistungen wieder an. Angehörige konnten Sterbefälle beurkunden lassen, und erste verkehrsrechtliche Anordnungen wurden in Papierform genehmigt. Hotline und Info-Punkt im Rathaus nutzten die Bürger weiter, beide stehen bis auf Weiteres zur Verfügung.

Keine Abbuchungen, Rechnungen prüfen

Aus Sicherheitsgründen bucht die Stadt derzeit nichts von den Konten der Bürger ab, etwa über SEPA-Mandate. Die Abbuchungen erfolgen, sobald das wieder möglich ist. Wer der Stadt ein SEPA-Mandat erteilt hat, muss wegen der ausgesetzten Abbuchungen nichts unternehmen.

Die Stadtverwaltung rät, bei Aufforderungen oder Mitteilungen der Stadt vorsichtig zu sein. Besonders aktuelle Rechnungen aus dem Rathaus sollte man genau kontrollieren, bevor man zahlt. Unter der IBAN DE60 7215 0000 0000 0003 23 ist die Stadtverwaltung korrekt zu erreichen. Bei Unsicherheit hilft die Notfall-Hotline. Ob zusätzliche Schutzmaßnahmen für die Bürger nötig sind, will die Stadt mitteilen, sobald Erkenntnisse vorliegen. Die Stadtwerke Eichstätt sind auch beim Zahlungsverkehr nicht betroffen, dort läuft alles wie gewohnt.

Oberbürgermeister Josef Grienberger erklärte: „Unsere Priorität liegt darauf, die Bürgerinnen und Bürger bestmöglich zu informieren – zugleich bitten wir um Verständnis, dass die laufenden Ermittlungen und das sichere Hochfahren der Verwaltung Zeit benötigen.“ Die Stadt informiert über Homepage, Presse und Social Media fortlaufend und bittet um Entschuldigung für die Umstände.

Was funktioniert und wer erreichbar ist

Bauanträge können in Papierform eingereicht und bearbeitet werden. Das Bauamt betreut weiter alle Baustellen, auch die Planungen für Großprojekte wie Bahnhof und Feuerwehr laufen im Rahmen der Möglichkeiten weiter. Das Standesamt beurkundet wichtige und dringende Angelegenheiten, Antragsteller wie Bestatter müssen dafür persönlich zu den regulären Öffnungszeiten kommen. Geplante Hochzeiten finden statt.

Im Ordnungsamt sind seit Mittwochmorgen viele Behördengänge eingeschränkt möglich. Formulare für verkehrsrechtliche Anordnungen, gaststättenrechtliche Erlaubnisse, Veranstaltungsanzeigen sowie Gewerbean-, -ab- und -ummeldungen stehen auf www.eichstaett.de als beschreibbares PDF bereit. Man druckt sie aus und bringt sie persönlich ins Rathaus, wo sie sofort bearbeitet werden. Für verkehrsrechtliche Anordnungen braucht es zusätzlich einen Beschilderungsplan. Parkausweise kann die Stadt derzeit weder ausstellen noch verlängern. Wer einen gerade abgelaufenen Ausweis hat, bekommt vorerst keinen Strafzettel. Notfallmäßig nötige Ausweise und Reisepässe lassen sich nach telefonischer Rücksprache bei der Verwaltungsgemeinschaft Eichstätt beantragen.

Heilig-Geist-Spital und Bauhof sind per Telefon erreichbar, eine Mail kommt dort nicht an. Das Haus der Jugend ist zu den regulären Zeiten geöffnet und telefonisch ansprechbar. Die Bücherei ist von dem Angriff nicht betroffen und öffnet wie gewohnt. In der Tourist-Information ist zu den Öffnungszeiten der Counter besetzt, Telefon und E-Mail funktionieren dort nicht, wohl aber das Kontaktformular auf der Homepage. Das Alte Stadttheater ist telefonisch zu erreichen, Veranstaltungen, Kino und Gastronomie laufen regulär, E-Mails kommen derzeit nicht an. Die vhs hat regulär geöffnet, ist telefonisch und per E-Mail an eichstaett@vhs-in-ei.de zu erreichen, und ihre Kurse finden statt. Stattfinden werden der Bauausschuss am Donnerstag, die Stadtratssitzung in der kommenden Woche und der Bürger-Workshop zum Einzelhandelskonzept am Donnerstagabend.

Auf einen Blick

  • Für Notfälle ist die Hotline unter (08421) 93770 erreichbar.
  • Korrekte IBAN der Stadtverwaltung: DE60 7215 0000 0000 0003 23
  • Anträge als beschreibbares PDF: www.eichstaett.de
  • vhs per E-Mail: eichstaett@vhs-in-ei.de
  • Bauausschuss am Donnerstag, Bürger-Workshop zum Einzelhandelskonzept am Donnerstagabend, Stadtratssitzung kommende Woche

Hintergrund

Die Verbraucherzentrale weist auf ihrer Website darauf hin, dass man im Zweifel bei der tatsächlichen Behörde, Einrichtung oder Firma nachfragen sollte. Sie führt dort Beispiele für gefälschte Nachrichten im Namen von Behörden auf. So warnte sie vor einer angeblichen Mail des Bundeszentralamts für Steuern, in der man die IBAN für das SEPA-Lastschriftmandat bestätigen sollte. Die genannte Adresse sei keine echte Adresse der Steuerverwaltung gewesen.

Bei angeblichen Bußgeldbescheiden eines Inkassounternehmens im Namen verschiedener Städte rät die Verbraucherzentrale, die E-Mail nicht zu beachten. Man solle nicht darauf antworten und keine enthaltenen Links anklicken. Schon an der E-Mail-Adresse des Absenders lasse sich in solchen Fällen erkennen, dass die Nachricht nicht echt ist.

Wer auf einer verlinkten Seite Daten eingegeben hat, sollte laut Verbraucherzentrale vorsorglich Anzeige bei der Polizei erstatten. Das gilt vor allem, wenn ungewöhnliche Geld-Abbuchungen auftauchen oder Rechnungen für nicht bestellte Waren und Dienstleistungen eintreffen.

Eigene Einschätzung

Die Stadt informiert ungewöhnlich ausführlich, auch über Details wie die Parkausweise. Für Betroffene ist vor allem die Klarstellung zu den SEPA-Mandaten wichtig. Offen bleibt, welche Daten abgeflossen sind. Bis das geklärt ist, sollten Eichstätter Rechnungen und Zahlungsaufforderungen mit der IBAN der Stadt abgleichen und im Zweifel nachfragen.

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