Energiegipfel 3.0 ein voller Erfolg

Burghausen – Führende Vertreter aus Industrie, Energiewirtschaft und Wissenschaft diskutieren über aktuelle Entwicklungen und Perspektiven der Energieversorgung im südostbayerischen Chemiedreieck

Unter dem Titel „Versorgungssicherheit und Transformation – Energiezukunft im ChemDelta Bavaria“ fand am Dienstag, 27. Oktober 2026, im Stadtsaal der dritte Energiegipfel der Stadt Burghausen statt. Wie bereits in den beiden vorangegangenen Jahren standen auch beim Energiegipfel 3.0 die aktuellen Entwicklungen und Zukunftsperspektiven der Energieversorgung im südostbayerischen Chemiedreieck im Mittelpunkt der Vorträge und Diskussionen.

Im ersten Teil der Veranstaltung schufen fünf hochkarätige Referenten mit ihren Vorträgen eine breite Informationsbasis. Auf einen Überblick über den wachsenden Strombedarf des Chemiedreiecks angesichts der Transformation folgte eine Einordnung der aktuellen politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen. Dabei ging es insbesondere um die Möglichkeiten, Strom als zentralen Energieträger einzusetzen und fossile Energiequellen schrittweise zu ersetzen.

Dr. Georg Weichselbaumer, Sprecher der Initiative ChemDelta Bavaria, zeigte den enormen Energiebedarf des Standorts auf: „Hier in der Region brauchen wir fünf TWh Strom jährlich. Das entspricht dem Verbrauch der Stadt München.“ Weiter erklärte Weichselbaumer, dass der Bau der ChemDelta-Energieleitung, der Ausbau der Übertragungsnetze sowie die Errichtung von Peaker-Kraftwerken alternativlos seien, um der Industrie vor Ort Versorgungs- und Planungssicherheit für ihre Investitionen zu gewährleisten.

Prof. Dr. Thomas Hamacher, Professor für erneuerbare und nachhaltige Energiesysteme an der Technischen Universität München, sieht den Schlüssel für eine erfolgreiche Abkehr von fossilen Brennstoffen in einem Mix verschiedener Energieträger. „Wir kommen dahin, aus Strom günstig Wasserstoff zu erzeugen“, ist Hamacher überzeugt. Wasserstoff könne dann dazu beitragen, die Schwankungen bei der Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien auszugleichen. Zugleich müsse die Energieversorgung der Endverbraucher durch eine stärkere Elektrifizierung effizienter werden. Reservekapazitäten durch konventionelle Kraftwerke seien vorerst unverzichtbar. Hamacher betonte: „Wenn wir wollen, dass die chemische Industrie in Deutschland bleibt, müssen wir den Aufbau eines funktionierenden Energiesystems vorantreiben, die Wettbewerbsfähigkeit verbessern, schneller werden und Windkraftanlagen, Strom- und Wasserstoffleitungen vor Ort ertragen.“

Heike von der Heyden, Geschäftsführerin von Qair Deutschland, informierte anschließend über den Stand des geplanten Windparks Altötting: „Wir liegen neun bis zwölf Monate hinter unserem Zeitplan zurück.“ Sie hoffe, dass Qair die Genehmigung für den Bau noch 2026 erhalte, damit das Unternehmen das Projekt vorantreiben könne. Zudem erläuterte sie, dass Qair ein Bodenmanagementkonzept entwickelt habe, um den Aushub von PFAS-belastetem Erdreich beim Bau der 27 Windkraftanlagen zu reduzieren. „Aktuell sind wir bei 60 Prozent weniger Aushub. Wir wissen, dass PFAS-belastetes Material mit dabei sein wird – für die Entsorgung dieses Erdreichs sind wir bereits in Verhandlungen mit Deponien.“ Von der Heyden hob hervor, dass Qair großen Wert auf den Schutz des Trinkwasserschutzgebiets Altötting/Neuötting lege. Darüber hinaus prüfe das Unternehmen derzeit die Wirtschaftlichkeit möglicher Batteriespeicher.

RWE-Manager Jens-Peter Schmidt erläuterte die Vorteile eines wasserstofffähigen Peaker-Kraftwerks, das bei hohem Strombedarf kurzfristig zusätzliche Leistung bereitstellen könnte. RWE sieht am Standort Burghausen dafür sehr gute Rahmenbedingungen. „Die Planungen sind noch in einem sehr frühen Stadium und wir haben bislang keine Investitionsentscheidungen getroffen oder entsprechende Genehmigungsverfahren angestoßen“.

Zum Abschluss der Vortragsrunde informierte Stefan Opel vom Übertragungsnetzbetreiber TenneT über den Stand der ChemDelta-Energieleitung und der erforderlichen Umspannwerke. „Derzeit läuft die Raumverträglichkeitsprüfung. Das Ergebnis erwarten wir bis Ende 2026.“ Opel verdeutlichte, dass die Planung, Genehmigung und Umsetzung großer Stromtrassen langwierige Prozesse sind, die sich teilweise über mehr als 15 Jahre erstrecken können.

Viele spezifische Fragen aus dem Publikum

Im zweiten Teil des Energiegipfels 3.0 hatten die rund 200 Besucher die Möglichkeit, Fragen an die Podiumsteilnehmer zu richten. Einige Fragen gingen an Dr. Jutta Matreux, seit 1. Oktober 2026 Leiterin Werk Burghausen, Wacker Chemie AG. Sie erläuterte auf Nachfrage unter anderem das Konzept des Unternehmens zur Erzeugung klimaneutraler Prozesswärme für die eigenen Produktionsanlagen.

Weitere Fragen aus dem Publikum betrafen den Einsatz von Biomasse, Agri-Photovoltaik und großen Batteriespeichern. „Das sind genauso Bausteine der Transformation wie der Bau von Windenergieanlagen“, erklärte Professor Hamacher. Er reagierte damit auf die Annahme eines Zuhörers, die Windräder im Windpark Altötting würden etwa ein Drittel des Jahres stillstehen und keinen Strom erzeugen. „Wir können uns alle nicht auf Wind und Sonne verlassen, aber neben Speichern, konventionellen Gaskraftwerken, die später auch wasserstofftauglich sind, gehören Windparks und PV-Anlagen ebenso zu dem notwendigen Portfolio für die Transformation. Wir brauchen solche Windparks.“ Entscheidend sei vor allem, den Ausbau der notwendigen Energieinfrastruktur zügig voranzubringen.

Erster Bürgermeister Florian Schneider, der den Energiegipfel im Jahr 2024 erstmals initiiert hatte und die Veranstaltung moderierte, erklärte abschließend: „Die energieintensive Industrie hier bei uns vor Ort braucht Verlässlichkeit und eine starke regionale Stimme.“ Die Referenten und Podiumsteilnehmer hätten detaillierte Einblicke in die aktuelle Situation und den künftigen Handlungsbedarf gegeben. „Nur gemeinsam lassen sich tragfähige Lösungen entwickeln und finden – dafür sind umfassende Informationen unverzichtbar“, sagte Schneider. Der Energiegipfel habe sich als wichtige Plattform für Information und Austausch etabliert. Schneider kündigte an, dass die Stadt Burghausen auch im Jahr 2027 wieder einen Energiegipfel veranstalten werde.

Foto: Podiumsgespräch beim 3. Burghauser Energiegipfel: Von links diskutierten Dr. Georg Weichselbaumer, Jens-Peter Schmidt, Dr. Jutta Matreux, Stefan Opel, Prof. Dr. Thomas Hamacher, Heike von der Heyden und Erster Bürgermeister Florian Schneider über die Zukunft der Energieversorgung im südostbayerischen Chemiedreieck. Fotocredit: Manuela Fuchs

Neueste Meldungen

Neue Rampe in Betrieb: Abfall- und Wertstoffzentrum Burgau ist fertiggestellt

Die Bauarbeiten am Abfall- und Wertstoffzentrum (AWZ) Burgau sind...

Memmingen: Gedenkfeier zum Volkstrauertag am 15. November im Waldfriedhof

Sonntag, der 15. November 2026, begeht Memmingen den Volkstrauertag....

Freie Plätze bei der kostenlosen Energieberatung

Bei der kostenlosen Energieberatung des Landratsamtes in Kooperation mit...

Jugendsammelaktion im Bistum am 8. November

Am Sonntag, 8. November, findet wieder bistumsweit die jährliche...

Aktuell

Neue Rampe in Betrieb: Abfall- und Wertstoffzentrum Burgau ist fertiggestellt

Die Bauarbeiten am Abfall- und Wertstoffzentrum (AWZ) Burgau sind...

Memmingen: Gedenkfeier zum Volkstrauertag am 15. November im Waldfriedhof

Sonntag, der 15. November 2026, begeht Memmingen den Volkstrauertag....

Freie Plätze bei der kostenlosen Energieberatung

Bei der kostenlosen Energieberatung des Landratsamtes in Kooperation mit...

Jugendsammelaktion im Bistum am 8. November

Am Sonntag, 8. November, findet wieder bistumsweit die jährliche...

KI im Handwerk: Von der Forschung in die Praxis

„KINO“-Projekt: Projektpartner und Bayerns Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger ziehen positive...

Erding: Winterbilder aus Erdinger Sammlungen im Künstlerhaus

Wer Winterlandschaften mag, hat im Künstlerhaus am Stahlmuseum in...
Anzeige Anzeige: Werbeplatz frei Anzeige: Werbeplatz frei

Weitere Meldungen aus der Region

Rubriken

Anzeige Anzeige: Werbeplatz frei Anzeige: Werbeplatz frei