Augsburg – Die Augsburger Domsingknaben haben ihr 50-jähriges Bestehen mit einem Festakt im Goldenen Saal des Augsburger Rathauses gefeiert, teilte das Bistum Augsburg mit. Zuvor hatten sie zu einer Dankesmesse in den Dom eingeladen. Viele Ehemalige waren bei den Feiern dabei. Reinhard Kammler hatte vor 50 Jahren an der Augsburger Kathedrale die Tradition der Kathedralsängerknaben wiederbelebt.
Festakt im Rathaus
Bischof Dr. Bertram Meier rechnete die Domsingknaben in seinem Grußwort gemeinsam mit dem FC Augsburg, der Puppenkiste, Rudolf Diesel und Leopold Mozart zu den städtischen Botschaftern der obersten Kategorie. Der Chor stehe für Kirchenmusik auf Weltklasseniveau, die hervorragend gepflegt werde. Nie sei die „musica sacra“ bloß liturgisches Beiwerk, vielmehr stelle sie eine kraftvolle Form der Verkündigung dar, und die Jungen und Männer hätten „den Himmel im Ohr“. Angesichts vieler Konzertreisen und Theatereinsätze bat der Bischof den Chor, sich seiner Heimat am Dom bewusst zu bleiben. Er dankte auch den Mitarbeitenden, Freunden und Eltern der Sängerknaben.
Domkapellmeister im Ruhestand Reinhard Kammler stand den Domsingknaben 43 der 50 Jahre vor. Bei seiner Rede erwähnte er Weggefährten und bedeutende Augenblicke, etwa den Einzug ins Haus St. Ambrosius sowie das Konzert vor Papst Benedikt XVI. in der Sixtinischen Kapelle.
Als Vertreterin der Staatsregierung überbrachte Regierungsvizepräsidentin Sabine Beck die Grüße von Ministerpräsident Dr. Markus Söder. Redebeiträge hielten außerdem Altoberbürgermeisterin Eva Weber sowie Markus Krapf, der Präsident des FC Augsburg. Generalvikar Msgr. Dr. Wolfgang Hacker sagte, die Domsingknaben fänden ihren Auftrag im Dienst an der Liturgie. Auch zur Bildung äußerte er sich und betonte, dass die religiöse Dimension dazugehöre. Domkapellmeister Stefan Steinemann, der den Chor seit 2020 leitet, hielt das Schlusswort. Seinem Vorgänger Kammler sprach er Dank für das entgegengebrachte Vertrauen aus; zugleich hoffte er darauf, dass „noch viele Kinder hier ihre Stimme entdecken, Freundschaften schließen und Menschen finden, die ihnen etwas zutrauen“.
Musikalisch gestalteten eine Solistenauswahl des Kammerchores und ein Ehemaligen-Chor den Abend, unter anderem mit Werken von Robert Lucas Pearsall, Friedrich Silcher und Franz Abt.
Predigt im Dom
In der Dankesmesse ging Bischof Meier in seiner Predigt auf die religiöse Bedeutung der Kirchenmusik und auf die Rolle des Doms ein. Der Dienst im Dom müsse bei allen Konzerten und Tourneen die erste Priorität behalten. Ein christlicher Chor zeichne sich nicht nur durch Wohlklang aus: In einem Chor gebe es unterschiedliche Charaktere, entscheidend sei, auch auf die Stimmen der anderen zu hören. Wo gemeinsames Singen den Sinn für Gemeinschaft stärke, werde Musik „zu einer Schule des Glaubens“.
Das Programm reichte von Rheinbergers „Missa Puerorum“ über Werke von Isaac, Schütz und Byrd bis zum Jubilate Deo von Ko Matsushita. Beteiligt waren der Kammerchor unter Stefan Steinemann, der Karl-Kraft-Chor unter Domkantor Julian Müller-Henneberg, die Chor-Aspiranten unter Judith Adldinger und die Nachwuchschöre unter Andrea Hartinger. An der Orgel spielte Domorganistin Claudia Waßner. Die Fürbitten wurden von Mitgliedern der Domsingknaben gesprochen.
Hintergrund
Die Augsburger Domsingknaben entstanden 1976 durch eine Neugründung von Reinhard Kammler, die als Einrichtung der Diözese Augsburg erfolgte, wie der Chor auf seiner Website schreibt. Eine Tradition reicht weiter zurück: 1439 wurden Sängerknaben der Domschule erstmals urkundlich erwähnt. 1865 wurde das Institut dieser Sängerknaben aufgelöst.
Wie der Chor mitteilt, bestärkte Kapellmeister Rudolf Brauckmann während der 1970er Jahre Reinhard Kammler, der damals Musik studierte, darin, die Tradition wiederzubeleben. Der Betrieb begann zunächst in provisorischen Räumen im Springergässchen 10. 1986 bezog der Chor das Haus St. Ambrosius am Dom, das nach Angaben des Chors Bischof Dr. Josef Stimpfle 1986 erbauen ließ.
Laut Wikipedia sind die Domsingknaben der Kathedralchor am Hohen Dom zu Augsburg. Rund 300 Knaben und Männer zwischen fünf und 25 Jahren werden dort stimmlich ausgebildet. Die Musica Sacra im Dom gestalten sie gemeinsam mit Kammerchor und Karl-Kraft-Chor. Seit 1. Januar 2020 leitet Stefan Steinemann als Domkapellmeister den Chor.
Eigene Einschätzung
Das Jubiläum zeigt, wie eng der Chor mit Dom und Stadt verbunden ist. Bemerkenswert ist die Mahnung des Bischofs, über Konzertreisen den Dienst im Dom nicht zu vernachlässigen. Offen bleibt, wie dieser Anspruch im Alltag des Chores gelebt wird, dazu sagt die Mitteilung nichts.

