Arnstorf – Mehr als vierzig Freiwillige haben am vergangenen Samstag in Arnstorf Plätze und Wege von Müll befreit, obwohl es teilweise stark regnete. Das teilte der Markt Arnstorf mit. Das „Rama dama“ organisierte die Ortsgruppe der Wasserwacht gemeinsam mit dem Vereinsnetzwerk und dem Markt. Die Aktion gehörte zu den „World-Clean-Up-Day“-Aktionswochen.
Neben Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen beteiligte sich auch die Oachkatzlbande, die Gruppe des örtlichen Obst- und Gartenbauvereins, in größerer Zahl. Auch Stellvertretende Landrätin Anna Nagl packte mit an und übergab der Wasserwacht eine finanzielle Zuwendung. Greifzangen und Handschuhe steuerte Sonja Geigenberger vom Vereinsnetzwerk bei.
Treffpunkt war pünktlich um 10.00 Uhr das Freibad. Mit Greifzangen und Müllsäcken zogen die Teilnehmer los, die Routen hatte Jugendleiterin Lisa Schied geplant. Am häufigsten lagen Plastikmüll wie Tüten, Becher und Folien, dazu Pappe und leere Zigarettenschachteln herum. Besonders viele Zigarettenkippen und Kronkorken fanden sich auf dem Boden bei den oft genutzten Sitzplätzen an der Kollbach und am Busbahnhof.
Mit dabei war als Partner die „Fédération internationale j’m’attaque au stock de dechets plastique“, was sich ungefähr mit „internationale Vereinigung zum Kampf gegen die Flut von Plastikmüll“ übersetzen lässt. Ihr Präsident Raoul Urru fährt mit dem Fahrrad auf einer Müllsammeltour durch Europa und will bis Dezember rund 4000 Kilometer schaffen. Auf seinen Reisen greift er Aktionen unter die Arme, so in Nürnberg, Braunschweig, Köln, Rotterdam, Nanterre und Metz. Von Ulm kommend traf er am Freitagabend in Arnstorf ein und half beim Aufräumen. Von der Aktion und der Organisation war er sehr angetan und veröffentlichte Videos und Bilder in den sozialen Netzwerken.
Auch aus anderen Orten kenne er das, berichtete Urru. Ihn erschüttere immer wieder, dass Zigarettenkippen trotz vorhandener Aschenbecher und Mülleimer einfach liegen gelassen werden und die Umwelt belasten. Nach zwei Stunden kamen die Helfer durchnässt, aber mit vielen gefüllten Müllsäcken zurück.
Die Aktion fand bei Bürgermeister Christoph Brunner lobende Worte. Alle Teilnehmer hätten viel für eine saubere Natur und Umwelt rund um Arnstorf getan, sagte er. Er hatte schon den Grill des Vereinsnetzwerks angeheizt und servierte Schweinswürstl, die im Semmelbrötchen schnell vergriffen waren. Trockene Sitzplätze hatte die Wasserwacht zusätzlich in den Garagen eingerichtet.
Hintergrund
Mit „Rama dama“ bezeichnet man im Bairischen laut Wikipedia eine organisierte Aufräumaktion im öffentlichen Raum, bei der Freiwillige Müll sammeln. Die Wörter bedeuten hochdeutsch „(Auf-)Räumen tun wir!“. Organisieren können Gemeinden, Schulen, Vereine oder Bürgerinitiativen.
Zum ersten Mal rief laut Wikipedia der damalige Münchner Oberbürgermeister Thomas Wimmer am 29. Oktober 1949 zum gemeinsamen „Rama dama“ auf. Damals ging es um die Beseitigung von Kriegsschäden und Schutthalden. Mehr als 7500 Freiwillige folgten dem Aufruf. Der Begriff blieb danach als Bezeichnung für das gemeinsame, ehrenamtliche Aufräumen.
Zu den Folgen achtlos weggeworfenen Mülls schreibt das bayerische Umweltministerium, dass Tiere sich in Abfällen verfangen oder Kunststoff mit Nahrung verwechseln. Bei Zigaretten komme die unkontrollierte Verbreitung schädlicher Inhaltsstoffe in der Umwelt hinzu. Laut Ministerium belastet die Beseitigung die Kommunen finanziell erheblich, wobei die Ausgaben üblicherweise auf die Müllgebühren aufgeschlagen werden.
Laut Wikipedia belasten die Giftstoffe aus Kippen hauptsächlich Gewässer und deren Bewohner. Schon eine einzelne Zigarettenkippe vermag nach diesen Angaben bis zu 1000 Liter Wasser zu belasten, vor allem wegen des enthaltenen Nikotins.
Eigene Einschätzung
Dass so viele Menschen bei Regen mitgemacht haben, zeigt, wie viel ein Ort mit Vereinen gemeinsam bewegen kann. Die Funde an Kollbach und Busbahnhof sind ein Hinweis, wo Gemeinde und Bürger ansetzen könnten. Offen lässt die Mitteilung, wie viel Müll insgesamt zusammenkam und wofür die Zuwendung an die Wasserwacht gedacht ist.


