Vöhringen – In einem Beitrag, den die Stadt Vöhringen veröffentlichte, weist Günter Volk den Vorwurf zurück, die Figuren an der Fassade des Rathauses seien nationalsozialistische Symbole, und ordnet den Fassadenschmuck historisch und politikwissenschaftlich ein. Volk arbeitet im Rathaus als Referent des Bürgermeisters, zuständig für Öffentlichkeitsarbeit und Kommunikation, und hat Politikwissenschaften, Neuere und Neueste Geschichte sowie Sprachwissenschaften studiert (M.A.).
Gemeint sind zwei Handwerkerfiguren mit Rad und Sense. Nach Volks Darstellung gerieten sie wie andere historische Symbole im öffentlichen Raum in eine voreilige Kritik. Er wolle dem als Historiker und Politikwissenschaftler mit Nüchternheit und quellenbasierten Fakten begegnen. Wer gezielt nach vermeintlichen NS-Bezügen suche, werbe nicht für Aufklärung, sondern werte traditionelles Kulturgut pauschal ab. Das halte einer wissenschaftlichen Prüfung nicht stand.
Laut Volk handelt es sich um klassische Handwerks- und Zunftmotive. Das Rad verweise auf das Wagner- und Stellmacherhandwerk, die Sense auf die Schmiedekunst, also Sensen- und Werkzeugschmiede, sowie auf die Landwirtschaft. Die Bildsprache habe ihre Wurzeln im Genossenschafts- und Zunftwesen Europas im ausgehenden Mittelalter. Über Jahrhunderte habe sie Standesstolz, Fleiß, Aufbauleistung und bürgerliches Selbstverständnis ausgedrückt, lange vor dem Nationalsozialismus.
Das NS-Regime habe ab 1933 im Zuge der Gleichschaltung viele traditionelle Berufsorganisationen zerschlagen und Symbole zweckentfremdet. Als bekanntes Beispiel nennt Volk das Zahnrad, das erst in Kombination mit dem Hakenkreuz zum NS-Symbol geworden sei. Die Darstellung am Vöhringer Rathaus erfülle die Kriterien solcher Kennzeichen nicht.
Zudem hält Volk die Verbindung zum Nationalsozialismus für abwegig. Läge überhaupt ein politischer Bezug nahe, dann eher zum Kommunismus und zum Konzept einer „Arbeiter- und Bauernstadt“, er verweist auf Hammer und Sichel. Auch das wäre aber zu kurz gegriffen. Nationalsozialismus und sowjetischer Kommunismus hätten diese Symbole nicht erfunden, sondern aus der europäischen Kulturgeschichte übernommen und ideologisiert. Ein historisches Symbol verliere seine ursprüngliche Bedeutung nicht, nur weil Totalitarismen es später nutzten.
Sein Fazit: Der Fassadenschmuck sei nicht als politisches Statement gemeint, sondern bezeuge die Wirtschafts- und Kulturgeschichte Vöhringens. Wer daraus ein Politikum konstruiere, mache die Symbole derer schlecht, die die Stadt durch ihre Hände Arbeit aufgebaut hätten.
Eigene Einschätzung
Die Stadt äußert sich hier mit einem Beitrag ihres eigenen Referenten, es ist also keine unabhängige Prüfung. Offen bleibt, wer den Vorwurf erhoben hat und wann die Figuren an die Fassade kamen. Beides erwähnt die Mitteilung nicht. Wer sich ein Urteil bilden will, braucht dazu mehr als diesen Text.


