KI im Handwerk: Von der Forschung in die Praxis

Passau – „KINO“-Projekt: Projektpartner und Bayerns Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger ziehen positive Zwischenbilanz

Mit „KINO – KI im Handwerk Niederbayern Oberpfalz“ hat die Handwerkskammer gemeinsam mit dem Technologie Campus Grafenau der TH Deggendorf im Jahr 2024 ein für die Region wegweisendes Projekt an den Start gebracht. Der Forschungsschwerpunkt liegt auf der Untersuchung, wie Künstliche Intelligenz für Handwerksbetriebe anhand von zwei konkreten Use Cases praktisch nutzbar gemacht werden kann. Gefördert wird das Projekt, das auf eine Laufzeit von drei Jahren angelegt ist, vom Bayerischen Staatsministerium für Wirtschaft, Landesentwicklung und Energie.

Nach zwei Jahren zogen die Projektpartner gemeinsam mit Bayerns Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger, den am Projekt beteiligten Handwerksbetrieben und weiteren Persönlichkeiten aus Politik und Wirtschaft in der Handwerkskammer in Schwandorf eine Zwischenbilanz.

„Produktivität steigern“

„Im Handwerk geht es zwar primär um individuelle Lösungen und um Handarbeit, deshalb wird uns die KI auch nicht ersetzen können, aber ohne neue Schlüsseltechnologien – davon bin ich fest überzeugt – werden wir weder unsere Produktivität steigern noch unserem Fachkräftemangel begegnen können“, machte HWK-Präsident Dr. Georg Haber in seinem Grußwort deutlich. Ziel sei es, Handwerksbetrieben deswegen auch einen anwendungsorientierten Mehrwert zu bieten. „KINO orientiert sich an den Bedürfnissen unserer mittelständischen Handwerksbetriebe und soll sich in konkreten Anwendungsfeldern auch im Betriebsalltag niederschlagen.“

Bayerns Staatsminister Hubert Aiwanger betonte in seinem Grußwort, wie wichtig es sei, sich jetzt und in Zukunft für neue Technologien zu öffnen: „Das Handwerk in Bayern steht für Zuverlässigkeit, Erfahrung und Qualität. Gleichzeitig war es schon immer ein wichtiger Innovationstreiber und hat erfolgreich neue Technologien in die Anwendung gebracht – und das muss es auch weiterhin tun“, so Aiwanger. Künstliche Intelligenz werde den Handwerker nie ersetzen, könne ihm aber das Leben erleichtern und die Arbeit produktiver machen. „Ob bei der Erledigung bürokratischer Pflichten, bei der Berechnung von Angebotspreisen oder beim Abarbeiten einfacher Routinetätigkeiten: Die Einsatzmöglichkeiten von KI sind enorm. Wir müssen bei dem Thema die Chancen statt nur die Risiken sehen – auch, um international wettbewerbsfähig zu bleiben.“

Zum Schluss bedankte sich Aiwanger bei den Projektpartnern, die diese Entwicklung vorantreiben. Auch in Zukunft stehe Handwerk für Hightech und für die Verbindung von Tradition und Moderne.

KI-gestützte Systeme im Fokus

Im Fokus stehen zwei praxisnahe Use Cases. Zum einen wird an einem KI-gestützten System geforscht, das Handwerksbetriebe bei der schnellen und einfachen Kalkulation von Angebotspreisen unterstützt. Hierfür analysiert die KI Konstruktionszeichnungen aus CAD-/CNC-verarbeitenden Gewerken. Sie erkennt in den Zeichnungen automatisch Formen, Komplexität und Materialien und erstellt auf Basis hinterlegter Daten eine fundierte Angebotspreisprognose. Aktuell wird in diesem Use Case die Benutzeroberfläche umgesetzt.

In einem weiteren Use Case wird untersucht, wie KI im Wissensmanagement und in der Aus- und Weiterbildung eingesetzt werden kann. Das entwickelte System wertet aufgezeichnete Videos per KI automatisch aus und beantwortet Fragen über eine Freitextsuche und einen Chatbot mit Verweis auf die passende Videostelle. Derzeit wird an der Verbesserung der Antwortqualität gearbeitet.

„KI wird das Handwerk verändern“

Die ersten Prototypen zeigen, dass sich KI-Systeme im Handwerk wie im Projekt angestrebt umsetzen lassen. Diese werden in den am Projekt beteiligten Handwerksbetrieben getestet und kontinuierlich weiterentwickelt. „KI wird das Handwerk verändern – entscheidend ist, dass sich die Betriebe frühzeitig damit auseinandersetzen und Lösungen bekommen, die zu ihrem Alltag passen“, so Prof. Dr. Diane Ahrens, wissenschaftliche Leiterin des Technologie Campus Grafenau. „Die Zusammenarbeit mit unseren Partnerbetrieben zeigt, dass KINO genau an deren drängendsten Fragen ansetzt: mit KI, die auch mit wenigen Daten funktioniert, im eigenen Betrieb läuft und das Wissen dort lässt, wo es hingehört.“

Auch der HWK-Hauptgeschäftsführer Jürgen Kilger und der stellvertretende Hauptgeschäftsführer Hans Schmidt bewerteten die im Projekt erzielten Entwicklungen positiv. „Das Handwerk hat sich im Spannungsfeld zwischen Tradition und Innovation immer weiterentwickelt. Das ist heute, mit dem rasanten technologischen Fortschritt, den wir aktuell erleben, nicht anders“, so Kilger. „Wir sind sehr stolz darauf, dass wir mit unserem Projekt diese Entwicklung begleiten und auf diese Weise in der Region Maßstäbe setzen“, fügte Schmidt hinzu.

Bildunterschrift Gruppenfoto: Zogen gemeinsam Zwischenbilanz des erfolgreichen Forschungsprojekts (v.li.n.re.): HWK-Hauptgeschäftsführer Jürgen Kilger, Bayerns Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger, Projektleiter Prof. Dr. Michael Scholz, wissenschaftliche Leiterin des Technologie Campus Grafenau Prof. Dr. Diane Ahrens, HWK-Präsident Dr. Georg Haber, Prof. Dr. Benedikt Elser vom Technologie Campus Grafenau, Regierungspräsident der Oberpfalz Walter Jonas, Schwandorfs Oberbürgermeister Andreas Feller und stellvertretender HWK-Hauptgeschäftsführer Hans Schmidt.

Bildunterschrift Videotisch: So könnte KI im Wissensmanagement künftig angewendet werden: Bayerns Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger, hier mit Projektmitarbeiter Dominik Hürland, am Videotisch. Handwerkliche Tätigkeiten werden aufgenommen und von einer KI ausgewertet.

der Handwerkskammer Niederbayern-Oberpfalz: KI im Handwerk: Von der Forschung in die Praxis
Foto: Fotostudio Schwarz- Veröffentlichung honorarfrei –

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