Viechtach: Gstanzl-Duell mit dem „Herminator“ erstmals am Abend

Prackenbach – Beim Viechtacher Volksfest gibt es am Sonntag, 11. Oktober, erstmals ein Gstanzl-Duell am Abend. Hermann Fleischmann aus Moosbach, überregional als „Herminator“ bekannt, tritt dann gegen Renate Maier an. Das berichtete die Journalistin Lisa Brem in einem Beitrag, den die Gemeinde Prackenbach auf ihrer Homepage zur Verfügung stellte.

Bisher fand das Gstanzlsingen auf dem Volksfest immer sonntagmittags statt. Der Festwirt Widmann hat Fleischmann laut Bericht engagiert, nachdem beide im vergangenen Jahr zufällig ins Gespräch gekommen waren. Fleischmann sagte dazu: „Mal sehen, wie es ankommt!“

Wenig Vorbereitung, viel Stegreif

Für das Duell zeigt sich der 66-Jährige gelassen. Das Outfit steht schon: kurze Lederhose, Trachtenhemd, Trachtenlaiberl und Hut. Viel Zeit zum Vorbereiten hat er ohnehin nicht, und er braucht sie nach eigener Aussage auch nicht. Wichtiger sei ihm die passende Atmosphäre. Gute Einfälle kämen ihm vor allem im „Bierzeltfeeling“.

Einige Stichpunkte zu den Ereignissen in Viechtach will er noch zusammentragen. Eventuell kontaktiert er dafür jemanden aus dem Stadtrat, um „Insider“ zu erfahren. Das meiste singt er aber aus dem Stegreif, denn man wisse nicht, wer alles kommt und wen man aussingen kann. Renate Maier hat er sich selbst als Kontrahentin ausgesucht und angeworben. Abgemacht ist mit ihr nichts. Das gehört zum traditionellen Ablauf: Beide müssen ohne Vorbereitung und blitzschnell auf den jeweils anderen eingehen.

Seit 44 Jahren dabei

Seit 44 Jahren ist Fleischmann als Gstanzlsänger und Hochzeitslader unterwegs. Man könnte es als sein Lebenswerk bezeichnen. Den Spitznamen „Herminator“ gaben ihm Musikanten. Sie leiteten ihn von den Endungen der Starkbiersorten auf -tor ab, etwa Salvator oder Coronator. „Denn nach fünf Maß war ich dann immer der Herminator“, erinnert er sich lachend.

Zwar werden die brauchtümlichen Hochzeiten weniger. Bei Geburtstagen, Firmenfeiern und im Bierzelt ist das Gstanzlsingen aber weiterhin gefragt, zum Beispiel jedes Jahr beim Kötztinger Pfingstfest. Seine Leidenschaft führt ihn auch regelmäßig nach Österreich. Am 14. November will er in Salzburg beim Stiegl-Gstanzl-Rap-Battle den ersten Platz und den goldenen Maßkrug verteidigen. Renate Maier ist dort ebenfalls dabei.

Auf einen Blick

  • Termin: Sonntag, 11. Oktober, Sonntagabend beim Viechtacher Volksfest
  • Duell: Hermann Fleischmann und Renate Maier
  • Weiterer Termin: 14. November, Stiegl-Gstanzl-Rap-Battle in Salzburg

Hintergrund

Laut Wikipedia zählt das Gstanzl zu den Liedformen aus Bayern und Österreich und tritt in der Regel als pointierter Spottgesang auf. Das typische Gstanzl ist ein einzelner Vierzeiler. Die Verse werden in der Regel spontan gedichtet, gereimt und gesungen, und wer das Handwerk wirklich beherrscht, reiht stundenlang neue Gstanzln aneinander, ohne dass sich ein Vers doppelt.

Als Wettstreit funktioniert es im Wechsel: Eine Person singt ein Gstanzl, die andere antwortet häufig mit einem ad hoc gedichteten Gegengstanzl. Zentral ist, im wechselseitigen Singen die Schlagfertigkeit zu beweisen. In Bayern und Österreich gibt es Treffen, bei denen sich die Sänger gegenseitig aussingen.

Gerade bei Bauernhochzeiten in Ober- und Niederbayern wird das Gstanzlsingen gern gepflegt. Dort macht sich der Hochzeitslader über die Brautleute und die Gäste lustig. Als Hochzeitslader werden Personen bezeichnet, die vor der Hochzeit einladen und bei der Feier als organisierender und oft lustiger Unterhalter auftreten. Traditionell war das Singen Männern vorbehalten, heute begeistern sich auch Frauen dafür.

Eigene Einschätzung

Der Abendtermin passt gut zu einem Format, das von Stimmung und Publikum lebt. Spannend wird, ob der Stegreifansatz ohne Absprache trägt. Offen bleibt, wie die Gäste den neuen Zeitpunkt annehmen. Wer Mundart und freche Reime mag, findet am Sonntagabend im Zelt vermutlich eine unterhaltsame Gelegenheit.

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