Landshut – Bachforellen besiedeln im Bayerischen Wald wieder Bäche bis in die Hochlagen, und gefährliche Parasiten sind selten. Das sind Ergebnisse des Interreg-Projekts „Sumava Fish Jewels“, die am Mittwoch am Fischereilichen Lehr- und Beispielbetrieb in Lindbergmühle vorgestellt wurden. Das teilte der Bezirk Niederbayern mit.
Drei Jahre Zusammenarbeit über die Grenze
Die Fischereifachberatung des Bezirks Niederbayern, die Nationalparkverwaltung Bayerischer Wald und tschechische Forschungseinrichtungen haben erstmals so eng zusammengearbeitet. Ziel war es, die Fischbestände in der Grenzregion zu untersuchen und dauerhaft zu schützen. Die Initiative lief drei Jahre. Für die Fachberatung war es das allererste grenzüberschreitende wissenschaftliche Projekt. Sonst berät sie vor allem Fischer, Teichwirte und Angler, erstellt Fachgutachten in wasserrechtlichen Genehmigungsverfahren und überwacht Gewässer in Niederbayern.
Bezirkstagspräsident Dr. Olaf Heinrich nannte das Vorhaben bei der Abschlusspräsentation einen historischen Schritt für die Fachberatung. Er sagte: „Der direkte Austausch auf Augenhöhe hat ein lebendiges Netzwerk geschaffen, das weit über die Projektlaufzeit hinaus Bestand hat.“ Heinrich dankte allen Beteiligten.
Bachforelle kehrt in die Hochlagen zurück
Die Erhebungen in den Gewässern führten maßgeblich die Wissenschaftler Prof. Dr. Martin Flajšhans, Prof. Dr. Petr Blabolil und Dr. Ivan Fiala von der südböhmischen Universität in Budweis durch. Die Bäche waren über Jahrzehnte säurebelastet, die Bachforelle ging zurück. Inzwischen wirken laut den Untersuchungen die Umweltschutzmaßnahmen der vergangenen Jahrzehnte: Die Bachforelle hat die Bäche bis in die Hochlagen wieder besiedelt, allerdings nur dort, wo die Gewässer durchgängig sind.
Ein weiterer Schwerpunkt war die genetische Vielfalt. In Böhmen herrscht die atlantische Linie vor. Die Bachforellen im Bayerischen Wald tragen meist eine Mischung aus beiden Linien in sich. Es gibt jedoch noch Bestände, in denen die danubische Linie überwiegt. Diese sind laut Mitteilung besonders schützenswert.
Parasiten: nur wenige gefährliche Formen
Der dritte Schwerpunkt galt der Fischgesundheit. Erfasst wurde das Vorkommen von Myxozoen-Parasiten. Zwar weisen auf bayerischer wie böhmischer Seite viele Gewässer diese Parasiten auf, gefährliche Formen fanden die Forscher aber nur in wenigen. Dr. Stephan Paintner, Leiter der Fischereifachberatung des Bezirks, sagte, die allermeisten Fische hätten Resistenzen gegen die Erreger entwickelt. In Niederbayern sei nur in einem einzigen Gewässeroberlauf einer der beiden gefährlichen Parasiten nachgewiesen worden.
Nationalpark als Partner
Die Nationalparkverwaltung Bayerischer Wald begleitete die Feldarbeiten und übernahm die Umweltbildung mit Schülerexkursionen und Infomedien. Nationalparkleiterin Ursula Schuster sagte: „Es macht Sinn, Lebensräume und Arten nicht getrennt voneinander zu betrachten.“ Das Projekt habe geholfen, Fischarten wie Bachforelle und Mühlkoppe besser kennenzulernen und zu schützen. Fische seien ein wichtiger Teil der Gewässerökosysteme und sensible Anzeiger für den Zustand der Bäche und Flüsse.
Der Fachaustausch zwischen Bayern und Böhmen soll künftig fortgesetzt werden. Das betonten alle Projektbeteiligten am Ende der Veranstaltung.
Eigene Einschätzung
Dass die Bachforelle zurückkehrt, zeigt, dass Umweltschutz über lange Zeiträume Wirkung entfalten kann. Offen bleibt, was mit den Bächen geschieht, die nicht durchgängig sind, denn dort dürfte der Erfolg ausbleiben. Zudem bleibt die Mitteilung vage, wie die Zusammenarbeit weitergeführt und finanziert wird.


