München – Mit dem Jahresforum in Lindau ist die bayerische Präsidentschaft in der EU-Alpenraumstrategie (EUSALP) zu Ende gegangen. Einen der Energy Awards 2026 erhielt dabei Nature Loop Energy aus Altomünster. Das teilte die Bayerische Staatsregierung (Staatskanzlei) mit.
In der EUSALP arbeiten seit über zehn Jahren Österreich, Liechtenstein, die Schweiz, Deutschland, Italien, Slowenien und Frankreich mit ihren 48 Regionen zusammen. Das Forum in Lindau bildete den Höhepunkt des bayerischen Vorsitzes im Jahr 2026. Europaminister Dr. Florian Herrmann erklärte: „Die EUSALP ist gewissermaßen der Think Tank der Alpenländer.“ Die Länder wollten mit einer abgestimmten Haltung für den gesamten Alpenraum in die politische Debatte eingreifen, etwa bei Wirtschaft, Verkehr, Daseinsvorsorge oder Umweltschutz. Bayern habe in seinem Vorsitzjahr Digitalisierung, grenzüberschreitende Mobilität und die Energieverordnung angepackt.
Rückblick auf das Vorsitzjahr
Im März 2026 begann das Jahr in Brüssel beim „Alpen-Frühstück“. Die Länder legten dort ein gemeinsames Papier vor und verlangten, die EU-Regionalpolitik ab 2028 klug auszurichten. Ihnen geht es darum, dass die Alpenregionen weiter selbst gestalten können und dass sie ausreichend Geld aus EU-Töpfen bekommen.
Im Juni 2026 fand an der UAS Kempten der Alpine AI Hackathon statt. Studenten aus dem gesamten Alpenraum erarbeiteten dort mit der Hochschule und Fachexperten der EUSALP KI-basierte Lösungen für den Alpentourismus. Im Juli stand die Digitalisierung im Mittelpunkt: Bei der Digital Alps Conference in Brüssel besprachen die Mitglieder mit Fachexperten und der EU-Kommission, was der Alpenraum für seine digitale Zukunft braucht. Die Ergebnisse sollen in die weiteren Beratungen in Brüssel einfließen.
Forderungen an die EU
Herrmann nannte Lindau am Tag des Forums die „EUSALP-Hauptstadt“. Das Jahresforum, die EUSALP Energy Conference und die Verleihung der Energy Awards bildeten den feierlichen Abschluss der Präsidentschaft. Die Alpenländer wollten damit zeigen, dass Innovation Freiräume braucht. Herrmann verlangte einen ehrlichen Abbau von EU-Bürokratie. Gefordert wird ein Stellen- und Regelungsmoratorium nach bayerischem Vorbild. Die Wirtschaft müsse Vorfahrt haben, nicht industriepolitische Sackgassen wie der Industrial Accelerator Act. „Subsidiarität ist für uns ein Muss, keine Gefälligkeit.“, so seine Worte. Europa müsse sich stärker auf den Binnenmarkt und den Außengrenzschutz besinnen. Wer sich in Dinge einmische, die vor Ort längst gut laufen, oder wer die Souveränität der Mitgliedstaaten gefährde, etwa mit der EU-Verordnung für erschwinglichen Wohnraum, schwäche Europa und die Demokratie.
Energy Award 2026
Der EUSALP Energy Award zeichnet Vorhaben aus, die die Energiewende voranbringen, etwa bei Strom und Wärme. Die Preisträger wenden dafür innovative technische, soziale oder wirtschaftliche Lösungen an. Aus Bayern wurde Nature Loop Energy aus Altomünster ausgezeichnet. Mit seinem Projekt zum klimafreundlichen Asphalt zeigt das Unternehmen einen Weg, die Asphaltproduktion zu dekarbonisieren: Holzstaub-Brennstoff aus regionalem Rest- und Altholz ersetzt dabei fossile Brennstoffe. Herrmann zeigte sich besonders stolz auf diesen Preisträger. Die Erkenntnisse könnten auch in anderen Asphaltmischwerken oder Branchen genutzt werden.
Die weiteren Preisträger sind:
- Die Erneuerbare Energiegemeinschaft Vorderwald aus Vorarlberg für „Wälderstrom“
- Gruber Logistics S.p.A. aus Südtirol für das Projekt „ZEFES“ zum emissionsfreien Langstreckenfrachtverkehr in Europa
- Step 73 aus der Region Auvergne-Rhône-Alpes für das Projekt „BatChatO“
Vorsitz wechselt nach Frankreich
Beim Forum wechselte auch der Vorsitz. Frankreich übernimmt die EUSALP-Präsidentschaft ab 1. Januar 2027. Herrmann gab den französischen Vertretern symbolisch das „Kolo Wheel“ weiter. Dieses Rad ist mit 5.200 Jahren das älteste Rad mit Achse und steht für Bewegung und Zusammenarbeit im Alpenraum.
Auf einen Blick
- Ort des Jahresforums: Lindau
- Vorsitz in der EUSALP: Frankreich ab 1. Januar 2027
- Aus Bayern kommt der Energy-Award-Preisträger Nature Loop Energy aus Altomünster
Hintergrund
Die EUSALP wurde laut dem Bayerischen Landesportal 2015 ins Leben gerufen und gehört zu den vier Makroregionalen Strategien der EU. Von den sieben Ländern sind Österreich, Frankreich, Deutschland, Slowenien und Italien EU-Mitglieder, die Schweiz und Liechtenstein nicht. In den 48 Regionen leben mehr als 80 Millionen Menschen. Aus Deutschland sind neben dem Bund Baden-Württemberg und Bayern beteiligt.
Inhaltlich konzentriert sich die Strategie auf Wirtschaftswachstum und Innovation, außerdem auf Mobilität und Konnektivität und schließlich auf Umwelt und Energie. Das Landesportal schreibt, die Strategie werde größtenteils über bestehende EU-Förderprogramme finanziert, vor allem über das Interreg B „Alpenraumprogramm“.
Beim Thema EU-Regionalpolitik hilft die Erklärung des Umweltbundesamts: Die Kohäsionspolitik der EU soll wirtschaftliche Unterschiede zwischen den Regionen abbauen. Die meisten Fördermittel gehen an weniger entwickelte Regionen, die übrigen Gruppen bekommen geringere Summen. Welche Förderprogramme sie dafür auflegen, entscheiden in Deutschland die Bundesländer. Die Europäische Kommission genehmigt die Pläne.
Für die Zeit ab 2028 drohen laut Landesportal Kürzungen, weil Mittel auf neue Prioritäten umgeschichtet werden könnten. Nach einem Vorschlag der Europäischen Kommission vom Sommer 2025 sollen Kohäsionspolitik und Gemeinsame Agrarpolitik mit weiteren Politikbereichen in Nationalen und Regionalen Partnerschaftsplänen zusammengelegt werden.
Eigene Einschätzung
Herrmanns Rede ist vor allem ein Katalog politischer Wünsche an Brüssel, und über die Wirkung des Vorsitzjahres sagt die Mitteilung wenig. Konkret wird sie beim Preisträger aus Altomünster: Dass Holzstaub fossile Brennstoffe im Asphaltwerk ersetzt, können Leser nachvollziehen. Offen bleibt, wann und wo das Verfahren in weiteren Werken ankommt.

