Mainkofen: Vortrag zu Depressionen und Ängsten stößt auf großes Interesse

Deggendorf – Mehr als 90 Interessierte kamen am Dienstag, 13. Oktober 2026, in die Kirche in Mainkofen, die damit voll besetzt war. Am Bezirksklinikum fand dort anlässlich der laufenden Woche der seelischen Gesundheit ein Vortrag zu „Depressionen und Ängsten“ statt, wie das Landratsamt Deggendorf mitteilte. Er gehörte zur Veranstaltungsreihe „Gesundheit im Dialog“. Bezirksrätin Renate Wasmeier war stellvertretend für Bezirkstagspräsident Dr. Olaf Heinrich anwesend.

Prof. Dr. Johannes Hamann, Ärztlicher Direktor am Bezirksklinikum, und Dr. Claudia Hindinger, Chefärztin des Zentrums für integrale Depressionsbehandlung, sprachen über Ursachen, Symptome und Behandlungsmöglichkeiten. Rund 20 Prozent der Erwachsenen in Deutschland sind demnach von einer Depression betroffen. Über alle Altersgruppen hinweg ist sie die häufigste Diagnose bei stationären Behandlungen psychischer Erkrankungen.

Depression: spät erkannt, aber behandelbar

Hindinger betonte: „Wichtig ist klarzustellen, dass eine Depression keine Willensschwäche und kein moralisches Versagen ist, sondern eine ernsthafte psychische Erkrankung.“ Sie sei behandelbar. Im Schnitt vergehen allerdings 20 Monate, bis sich Betroffene Hilfe suchen. Die Symptome seien vielfältig, deshalb kämen viele zunächst nicht darauf, dass sie psychisch erkrankt sind.

Als Hauptsymptome nannte die Chefärztin eine gedrückte, niedergeschlagene Stimmung, Interessenverlust und Freudlosigkeit, Antriebsmangel sowie gesteigerte Erschöpfung und Ermüdbarkeit. Wer das bei sich oder Angehörigen bemerkt, sollte zunächst zum Hausarzt gehen. Der schließt körperliche Ursachen aus und bespricht nach der Diagnose die Therapiemöglichkeiten.

In einer akuten Krise ist der Krisendienst Niederbayern täglich rund um die Uhr unter 0800/655 3000 erreichbar. Der Dienst berät Betroffene und leitet sie weiter. Im Notfall steht außerdem das Bezirksklinikum Mainkofen als Anlaufstelle bereit.

Suizidgedanken ansprechen

Laut Vortrag gehen etwa 90 Prozent aller Suizide mit einer psychiatrischen Erkrankung einher, in der Regel einer Depression. Rund 40 bis 70 Prozent der Menschen mit Depression leiden unter Suizidgedanken. Warnzeichen seien Sätze wie „es hat alles keinen Sinn mehr“, Rückzug, Isolation oder plötzliches Verschenken von Wertgegenständen. Hindinger sagte, man solle nicht wegsehen, sondern reden. Das direkte Ansprechen erhöhe das Risiko nicht, es wirke oft entlastend. Betroffene dürfen nicht alleingelassen werden.

Wenn Angst zur Erkrankung wird

Etwa jeder Fünfte ist im Laufe des Lebens mindestens einmal von einer Angsterkrankung betroffen. Hamann erklärte, Angst an sich sei keine Erkrankung, sondern eine Reaktion, die vor Gefahr warnt. Krankhaft wird sie, sobald sie übermäßig stark ausfällt, überlang andauert oder den Alltag beeinträchtigt. Zu den häufigsten Formen zählen Panikstörungen, soziale Angst, generalisierte Angststörungen und Phobien.

Die Entstehung ähnelt der Depression: Meist wirken Veranlagung, Lernerfahrungen und Auslöser wie Dauerstress, Überlastung, Verluste, Lebensumbrüche oder körperliche Erkrankungen zusammen. Erste Wahl bei der Behandlung ist die Psychotherapie, vor allem die kognitive Verhaltenstherapie. Empfehlenswert sind auch Medikamente, Psychoedukation, Entspannung, Bewegung und Selbsthilfegruppen. Hamann appellierte: „Es lohnt sich, Hilfe zu suchen.“ Nach den Vorträgen beantworteten beide Referenten Fragen aus dem Publikum.

Getragen wird die Aktion „Gesundheit im Dialog“ gemeinsam von AOK Deggendorf, DONAUISAR Klinikum Deggendorf, Volkshochschule, Kneippverein, Bezirksklinikum Mainkofen und Gesundheitsregionplus Landkreis Deggendorf. Die Reihe soll Bürger über Gesundheitsthemen informieren und für eine gesunde Lebensweise sowie Vorbeugung sensibilisieren.

Auf einen Blick

  • Krisendienst Niederbayern: täglich 0-24 Uhr unter 0800/655 3000
  • Bezirksklinikum Mainkofen im Notfall: 9931 87 0
  • Den ärztlichen Bereitschaftsdienst erreicht man unter 116 117.
  • Bei akuter Eigengefährdung ist der Rettungsdienst bzw. Notarzt unter 112 zu rufen.
  • Telefonseelsorge: 0800 111 0111 oder 0800 111 0222 (kostenlos, 24/7 anonym)
  • Gesundheitsregionplus, Landratsamt Deggendorf: Herrenstraße 18, 94469 Deggendorf, Telefon 0991 3100-175

Hintergrund

Wer eine Psychotherapie beginnen will, braucht dafür keine Überweisung. Das steht auf der Website zur ambulanten psychotherapeutischen Versorgung in Bayern. Man kann direkt über die Praxis oder die Terminservicestelle eine psychotherapeutische Sprechstunde vereinbaren, in der der Bedarf geklärt wird.

Die Terminservicestelle bietet nach dem Anruf innerhalb einer Woche einen Termin an. Voraussetzung ist, dass man gesetzlich krankenversichert ist. Die Wartezeit beträgt höchstens fünf Wochen, bei einer Akutbehandlung höchstens zwei Wochen. Per Telefon ist sie unter 116117 erreichbar, wie das Portal 116117.de mitteilt.

Findet man keinen Platz, hilft die Koordinationsstelle Psychotherapie. Sie vermittelt Adressen von Psychotherapeuten, die freie Plätze gemeldet haben. Die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen vier Therapieverfahren: Psychoanalytische Therapie, Tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie, Verhaltenstherapie und Systemische Therapie.

Zu den Krisendiensten schreibt das bayerische Gesundheitsministerium, dass es in jedem Bezirk einen eigenen Krisendienst gibt. Anrufende werden an die regional zuständige Leitstelle weitergeleitet. Das ermöglichte eine bayernweit einheitliche Rufnummer.

Eigene Einschätzung

Der Vortrag räumt mit dem Vorurteil auf, Depression sei Schwäche, und nennt klare erste Schritte. Gut, dass die Notfallnummern so vollständig aufgeführt sind. Offen bleibt, wie Betroffene im Landkreis tatsächlich schnell einen Therapieplatz finden. Wer unsicher ist, sollte mit dem Hausarzt beginnen und nicht abwarten.

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