Rosenheim – Der Landkreis Rosenheim hat seinen Ausstoß an Klimagasen gegenüber dem Ausgangsjahr 2019 um 13,6 Prozent verringert. Der Energieverbrauch ging um 10,2 Prozent zurück. Das geht aus der zweiten landkreisweiten Energie- und Treibhausgasbilanz hervor, die jetzt für das Bilanzjahr 2023 vorliegt, teilte das Landratsamt Rosenheim mit.
Die Bilanz zeigt den Energieverbrauch von Haushalten, Wirtschaft, Kommunen und Verkehr und weist aus, wo Klimagase entstehen. Sie soll auch zeigen, an welchen Stellen sich am meisten einsparen lässt.
Die Zahlen für 2023
Im Jahr 2023 verbrauchte der Landkreis rund 7,98 Millionen Megawattstunden (MWh) Energie. Dabei entstanden 2,35 Millionen Tonnen CO₂-Äquivalent. Gemeint sind Treibhausgase, deren Klimawirkung der von 2,35 Millionen Tonnen Kohlendioxid entspricht. Pro Einwohner waren es im Schnitt 9,1 Tonnen CO₂-Äquivalent im Jahr, der bayerische Durchschnitt lag 2023 bei 6,2 Tonnen. Im Ausgangsjahr 2019 waren es 8,88 Millionen MWh und 2,71 Millionen Tonnen CO₂-Äquivalent. Die größten Fortschritte gab es bei den privaten Haushalten (Heizung, Strom) und im Gewerbe.
Verkehr bleibt der Problemfall
Negativ schlägt erneut der Verkehrssektor zu Buche: Er verursacht rund 915.000 Tonnen CO₂-Äquivalent und damit 39 Prozent der gesamten Emissionen im Landkreis. Rund 96 Prozent davon entfallen auf den Straßenverkehr. Allein auf den Durchgangsverkehr der Autobahnen A8 und A93 entfallen 53,4 Prozent der Abgase, die Autos und Lkw im Landkreis ausstoßen.
Erneuerbare: Strom gut, Wärme noch nicht
Vor allem dank der Wasserkraftanlagen produziert der Landkreis aus erneuerbaren Energien mehr Strom, als er selbst benötigt. Rein rechnerisch kommen die erneuerbaren Quellen auf 131 Prozent des Strombedarfs. Im gesamten Bundesgebiet werden 51,8 Prozent des Stroms aus erneuerbaren Energien gewonnen. Beim Heizen liegt der Landkreis mit 26,1 Prozent erneuerbarer Quellen über dem Bundesdurchschnitt von 18 Prozent. Etwa drei Viertel der Wärme stammen jedoch weiterhin aus Erdgas und Heizöl.
Landrat Otto Lederer sagte: „Wir sehen, dass die Maßnahmen greifen und wir Fortschritte erreichen. Aber wir sind noch lange nicht am Ziel.“ Die Bilanz diene als solides Controlling-Instrument.
Drei Handlungsfelder
Aus den Ergebnissen leitet der Landkreis drei Handlungsfelder ab:
- die Einführung eines kommunalen Energiemanagements, um die Energienutzung effizienter zu steuern
- die Wahrnehmung der Vorbildfunktion und die laufende Verbesserung der energetischen Qualität eigener Liegenschaften
- die Stärkung des Klimaschutzbewusstseins, etwa über die kostenfreie Energieberatung des Landratsamtes und über Beratung für Firmen und Gewerbebetriebe zu Fördermitteln und Finanzierungsmöglichkeiten bei Energiesparen, Energieeffizienz und erneuerbaren Energien
Hintergrund
Erstellt hat die Bilanz das Münchner Büro Ark Climate. Witterungsbedingte Unterschiede beim Energieverbrauch bleiben in solchen Bilanzen unberücksichtigt. Vorgestellt und gebilligt wurde sie in der jüngsten Sitzung des zuständigen Umweltausschusses des Landkreises. Grundlage für das fortlaufende Monitoring ist ein Beschluss des Umweltausschusses vom Oktober 2024, die Bilanz in regelmäßigen Abständen zu erstellen. Die Bilanzierung für 2023 wurde 2025 fortgeführt.
Auf einen Blick
- Die komplette Bilanz kann ab sofort kostenlos auf der Internetseite des Landratsamts abgerufen werden.
- Sie enthält auch die Kernergebnisse der Kommunen.
- Das Landratsamt bietet kostenfreie Energieberatung an.
Eigene Einschätzung
Die Entwicklung geht in die richtige Richtung, doch der Verkehr zeigt die Grenzen kommunaler Klimapolitik: Gerade beim Durchgangsverkehr auf den Autobahnen hat der Landkreis kaum Einfluss. Spannend wäre, welche konkreten Maßnahmen die Rückgänge bei Haushalten und Gewerbe bewirkt haben. Das nennt die Mitteilung nicht.

