Rosenheim – Die Urologie am RoMed Klinikum Rosenheim operiert mit dem Da‑Vinci‑System jetzt in einem breiteren Spektrum als zuvor. Chefarzt Dr. Christian Bach leitet die Klinik seit gut 100 Tagen. Die RoMed Kliniken teilten mit, dass Patientinnen und Patienten aus der Region davon bei der Tumorchirurgie direkt vor Ort profitieren sollen.
Welche Eingriffe robotisch laufen
Besonders nutzt die Technik laut Mitteilung der Tumorchirurgie, etwa bei radikalen Prostatektomien bei Prostatakrebs, nierenerhaltenden Eingriffen bei Nierentumoren, der Blasenentfernung mit Harnableitung sowie rekonstruktiven Operationen an Nierenbecken und Harnleiter. Das zertifizierte Nierentumorzentrum plant und führt solche Eingriffe als Teil des Onkologischen Zentrums fächerübergreifend aus.
Als Vorzüge hebt Bach die dreidimensionale Vergrößerung, die ruhige Kameraführung, die optimale Ausleuchtung sowie die beweglichen Instrumente hervor. Sie helfen, Nerven, Gefäße, den Schließmuskel und gesundes Organgewebe zu schonen.
Roboter ohne Technik-Euphorie
Der Chefarzt warnt davor, die Technik zum Selbstzweck zu machen: „Robotik ist kein Selbstzweck.“ Maßgeblich seien die Ausdehnung des Tumors, die Anatomie, bestehende Vorerkrankungen sowie das Ziel der Behandlung. Wer sich operieren lässt, solle nicht nur ein Verfahren wählen, sondern auch ein erfahrenes Behandlungsteam. Die roboterassistierte Operation bietet kleinere Zugänge, genaueres Präparieren und oft schnellere Genesung, ist aber nicht für jeden Patienten automatisch die beste Lösung. Gute Beratung erkläre deshalb die Vor- und Nachteile aller geeigneten Verfahren.
Funktionserhalt und Qualität
Bei Prostataeingriffen soll der Schließmuskel geschont, eine möglichst lange Harnröhre erhalten und, sofern onkologisch vertretbar, sollen die für die Erektion wichtigen Nerven bewahrt werden. Bei Nierentumoren zählt der Erhalt möglichst vieler gesunder Nierenanteile. Die Therapieentscheidung fällt laut Bach gemeinsam mit den Betroffenen, wobei Funktionserhalt und onkologische Sicherheit abgewogen werden.
Qualität misst der Chefarzt nicht an der Größe eines Zentrums. Wichtiger seien für ihn, wie erfahren der Operateur ist, wie gut das Team aufeinander eingespielt ist und welche Ergebnisse sich messen lassen, etwa komplett entfernte Tumoren, Komplikationsraten, Transfusionen, erneute Aufnahmen und Folgeeingriffe. Bei Prostatapatienten zählen außerdem Kontinenz, Sexualfunktion und die Kontrolle des Tumors über lange Zeit, bei Nierenoperationen die erhaltene Nierenfunktion. Dr. Bach: „Diese Ergebnisse erfassen wir systematisch, werten sie regelmäßig aus und besprechen sie offen mit den Betroffenen.“
Als nächsten Schritt plant die Klinik ein zertifiziertes Prostatakarzinomzentrum. Die uroonkologische Versorgung in Stadt und Landkreis Rosenheim sowie in der südostoberbayerischen Region soll dadurch gestärkt werden.
Teamarbeit und Zusammenarbeit mit Praxen
Die Klinik setzt auf geregelte Einarbeitung neuer Kräfte, feste OP‑Teams, Training am Simulator, einheitliche Abläufe und Checklisten. Schwierige Operationen plant das Team vorab gemeinsam und bespricht sie anschließend. An den Ergebnissen sind Operateur, Assistenz, OP‑Pflege, Anästhesie und Station beteiligt.
Eng abstimmen will sich Bach mit niedergelassenen Urologinnen und Urologen sowie Hausärztinnen und Hausärzten. Wichtig seien direkte Ansprechpartner, kurze Reaktionszeiten, zeitnahe Befundberichte, klare Behandlungsempfehlungen und eine abgestimmte Nachsorge. Zweitmeinungen begrüßt er ausdrücklich. Schwierige Tumorerkrankungen bespricht das interdisziplinäre Tumorboard des Onkologischen Zentrums, in dem neben Urologie und Onkologie auch Strahlentherapie, Radiologie, Pathologie und weitere Disziplinen vertreten sind.
Vom Werdegang des Chefarztes
Bach absolvierte die Facharztausbildung im Städtischen Krankenhaus München Harlaching. Danach arbeitete er an spezialisierten urologischen Kliniken in England sowie an Unikliniken, darunter Aachen und Köln. Dort half er beim Aufbau robotischer Programme und beschäftigte sich mit Operationstechniken und der Schulung von Mitarbeitenden. Zum Ausgleich geht er laufen und nutzt die nahen Berge, etwa zum Skifahren.
Eigene Einschätzung
Auffällig ist, dass der Chefarzt die Robotik selbst relativiert und Beratung über Technik stellt. Das macht die Mitteilung glaubwürdiger. Offen bleibt, wie viele Eingriffe das Team bisher robotisch durchgeführt hat und wann die Ergebnisse veröffentlicht werden. Patienten sollten nach genau diesen Zahlen fragen.


