Memmingen – Oberbürgermeister Jan Rothenbacher hat in Memmingen eine Urkunde über die Schirmherrschaft für das Projekt Stolpersteine unterzeichnet. Damit bekräftigt er seine Unterstützung für die Erinnerungsarbeit an Opfer der NS-Diktatur, teilte die Stadt Memmingen mit. Die Schirmherrschaft liegt von Beginn an bei den jeweiligen Oberbürgermeistern.
Die Stolpersteine des Künstlers Gunter Demnig werden in Memmingen seit 2013 verlegt. Aktuell sind 143 goldfarbene Gedenksteine in Gehwegen im Stadtgebiet eingelassen. Sie erinnern an Menschen, die unter der NS-Gewaltherrschaft gelitten haben.
Rothenbacher sagte zur Unterzeichnung: „Während das Gedenken an Opfer der NS-Diktatur in Deutschland über viele Jahre selbstverständlich schien, ist es das heute leider nicht mehr“.
Getragen wird die Arbeit vor Ort vom Verein „Stolpersteine in Memmingen“. Er unterstützt das Projekt des Kölner Künstlers und erforscht die Lebensgeschichten einzelner Menschen, die in Memmingen wohnten und zur NS-Zeit verfolgt, deportiert und ermordet wurden. Im kommenden Jahr sollen nach den Worten des Vereinsvorsitzenden Dr. Thomas Epple weitere Stolpersteine verlegt werden. Er dankte dem Oberbürgermeister für die Unterstützung. Ausdrücklich bedankte er sich auch bei den Mitarbeitern des städtischen Bauhofs: Sie setzen die Steine in die Gehwege ein. Sind Straßenarbeiten notwendig, nehmen sie die Steine heraus, bewahren sie sorgsam auf und setzen sie danach wieder ein.
Auf einen Blick
- Nächste Verlegung von Stolpersteinen in Memmingen: im kommenden Jahr
- Bisher verlegt: 143 Stolpersteine im Stadtgebiet, erstmals 2013
- Träger vor Ort: Verein „Stolpersteine in Memmingen“, Vorsitzender Dr. Thomas Epple
Hintergrund
Hinter dem Projekt steht nach Angaben auf der Website der Stolpersteine der Künstler Gunter Demnig, der die Idee zu diesem Kunstdenkmal hatte. Eine Verlegung setzt die Genehmigung der Stadt voraus, weil die Steine bis auf wenige Ausnahmen auf öffentlichem Grund liegen. Der Stein kommt vor den Ort, den der Mensch zuletzt freiwillig als Wohnort gewählt hatte.
Die Oberfläche besteht nicht aus Gold, sondern aus Messing. Finanziert werden die Steine über Spenden und Patenschaften. Wer eine Verlegung organisiert, muss laut Projekt in Deutschland mit € 120,- pro Stein rechnen.
Das Projekt gibt an, dass bislang 116.000 Stolpersteine in über 1860 Kommunen in 31 europäischen Ländern liegen, die meisten davon in Deutschland.
Eigene Einschätzung
Die erneuerte Schirmherrschaft ist vor allem ein Signal, dass die Stadtspitze hinter dem Gedenken steht. Die eigentliche Arbeit leisten der Verein mit seiner Recherche und der Bauhof mit der Pflege der Steine. Offen bleibt, wie Interessierte in Memmingen selbst eine Verlegung anregen können, denn dazu enthält die Mitteilung keine Angaben.


