Alfred Kasperbauer aus Kaikenried ist mit dem Ehrenzeichen des Bayerischen Ministerpräsidenten ausgezeichnet worden. Das teilte das Landratsamt Regen mit. Die Ehrung fand im Sitzungssaal des Rathauses in Teisnach statt, in dem Kasperbauer selbst von 1972 bis 2008 als Marktgemeinderat saß, also 36 Jahre lang.
Zu Beginn ging es um einen alten Faschingsjux: einen Brief aus dem Vatikan, in dem der Papst dem Empfänger bei der Audienz die Wahl des Termins überlässt. Landrat Raith griff das auf und sagte zu Kasperbauer: „Schön, dass du auch für mich Zeit gefunden hast.“
Ein Leben im Ehrenamt
Die Liste von Kasperbauers Aufgaben ist lang. Der Freiwilligen Feuerwehr Kaikenried gehört er schon seit mehr als 60 Jahren an, zudem war er Kreisvorsitzender der Landjugend. 1992 gründete er den Gartenbauverein Kaikenried mit und führte ihn viele Jahre als Vorsitzender. Dort kümmerte er sich unter anderem um Anschaffung und Betrieb der Obstpresse.
Über viele Jahre stand er zudem als Gründungsvorsitzender an der Spitze des Dorfausschusses Kaikenried. Den Vorsitz gab er an den inzwischen verstorbenen Josef Niedermeier weiter und wurde zum Ehrenvorsitzenden ernannt. Dem Vorstand des Arbeiter-Kranken-Unterstützungsvereins Teisnach gehört er seit 1988 an, den Vorsitz hat er seit 1998 inne. Das Amt des Seniorenbeauftragten des Marktes Teisnach übt er seit 2024 aus. Als Pilgerleiter führte er mehr als ein Jahrzehnt lang die Wallfahrten von Viechtach nach Altötting und packt bis heute mit an.
Für diese Verdienste bekomme Kasperbauer keinen bloßen Anstecker, betonte der Landrat, sondern einen Orden. Wie breit sein Wirken ist, zeigte der Kreis der Gäste: Neben seiner Ehefrau Maria waren auch Freunde, ehemalige Kollegen aus dem Berufsleben sowie Abordnungen seiner Vereine erschienen. Bürgermeister Graßl sprach von einem riesigen Feld, das „der Fred“ beackere.
Verspätete Ehrung nach schwerer Krankheit
Verschoben werden musste die Ehrung wegen einer Erkrankung und mehrerer Operationen. Nach der Diagnose bat Kasperbauer den Landrat um Hilfe bei der Vermittlung einer weiterführenden medizinischen Behandlung. Der antwortete mit nur drei Worten: „Ich kümmere mich.“ Diese Zusage habe ihm damals viel Zuversicht gegeben, erzählte Kasperbauer in der Feierstunde sichtlich bewegt.
Er dankte allen Gästen und würdigte sie persönlich. Ohne eine gute Mannschaft wäre das alles nicht möglich gewesen. Zugleich warb er für das Ehrenamt: Die Menschen seien im Alltag stark gefordert, und zusätzliche Vereinsaufgaben ließen sich nicht immer leicht unterbringen. Wer Verantwortung übernehme, könne aber selbst gestalten und mitbestimmen. Dass sich dafür sogar neben Familie und Schichtdienst Zeit findet, hat Kasperbauer über Jahrzehnte gezeigt.
Eigene Einschätzung
Interessant ist weniger die Zahl der Ämter als Kasperbauers Argument am Ende: Ehrenamt kostet Zeit, gibt aber Gestaltungsmacht. Das klingt glaubwürdiger von jemandem, der selbst Schichtdienst und Familie unter einen Hut gebracht hat. Offen bleibt, wie sich Vereine in Kaikenried und Teisnach Nachwuchs sichern, der ähnlich viel Verantwortung übernimmt.


